Datenjournalismus: Bedrohte Fischarten

„Which Fish are Ok to Eat?“ heißt eine Infografik zu Speisefischen, die auf dem Datenblog des Guardian erschienen ist. Sie zeigt nach Herkunft, welche Fischarten bedroht sind und besser nicht auf dem Teller landen sollten: Unter anderem Aale aus der Fischzucht und Gelbflossenthunfische aus dem Atlantik. Grundlage sind Daten der Marine Conservation Society vom Januar 2011, von Greenpeace und SeaFood Watch. Dazu kann man sich ein kleines Faltblatt ausdrucken.

Die Übersicht gibt es auch auf Deutsch: Als Seite 3 des Bilderbuch des nützlichen und unnützen Wissens vom November 2010. Die beiden Versionen unterscheiden sich allerdings etwas: Im Guardian werden sieben Zuchtfischarten als problematisch eingestuft, in der deutschen Fassung nur zwei. Die deutsche Version verweist auf das Marine Stewardship Council als Datenquelle.

Das Team von „Information is Beautiful“ hat Rohdaten bzw. Recherche zur Grafik veröffentlicht, so dass man versuchen kann, die Unterschiede nachzuvollziehen.

In einer Tabelle kann man sich den Stand der Recherche und Einstufung 2008 und 2010 direkt anschauen. Zwischen Tabellenreiter „2010“ und „layout in 2010“ wurde u.a. von zwei auf sieben bedrohte Zuchtfischarten aktualisiert. Vielleicht enthält „layout in 2010“ also schon die Daten von 2011. Die im Guardian verlinkte Grafik ist andererseits auf Juni 2010 datiert, obwohl grade veröffentlicht. Etwas verwirrend.

Manchen Kommentatoren des Guardian-Posts ist der Hintergrund der Infografik, den man der Tabelle entnehmen kann, nicht genug. Sie wollen statt Links „echte Daten“.

Trotzdem: Wenn sich durchsetzen würde (wo vom Daten- und Informantenschutz her möglich), was „Information is Beautiful“ hier anbietet, wäre das schon ein großer Fortschritt für den Journalismus. Einzelne Punkte eigener Recherchen systematisch aufzuführen gibt Lesern, Hörern oder Zuschauern die Möglichkeit, besser nachzuvollziehen, wie man zu seinen Schlussfolgerungen gekommen ist. Die Transparenz hilft, gemeinsam Unstimmigkeiten zu finden und so die Ergebnisse, wenn nötig, zu korrigieren.

Gut finde ich auch McCandless Art, den Wissensstand über ein dynamisches Thema wie bedrohte Fischarten in verschiedenen Tabellentabs auch über die Zeit festzuhalten, statt immer wieder zu überschreiben. Gibt es eigentlich auch Tools für öffentliche Tabellen mit Versionsgeschichte?

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Nachtrag: Eine Anfrage hat die Sache geklärt. Die Daten für die deutsche Fassung sind von 2008, die der englischen aktuell, also von Juni 2011. Die Angaben in der Tabelle fassen 2010 und neue Daten aus 2011 zusammen. Das ist jetzt auch so benannt. „layout 2010-11“ ist die aktuellste Fassung. Die 2011er-Daten integriert auch die Guardian-Grafik, trotz älterer Datierung.

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