Plastikmüll im Meer: Häufige Fragen

Die Wissenschaft steht bei der Erforschung des Plastiks im Meer noch ganz am Anfang. Gleichzeitig versuchen Umweltschützer auf das Problem aufmerksam zu machen und Medien das bisherige Wissen zu fassen. Welche Antworten sie auf einige der grundlegenden Fragen im Laufe der letzten Jahre geben und zitieren, sammele ich hier zum Vergleich. Das ist mein Notizblog, der das Ergebnis reiner Netzrecherche ist, also nicht unbedingt wissenschaftlich fundiert. Die Quellen finden sich mit Jahreszahl verlinkt hinter jeder Angabe. Bei einigen davon – die meisten davon Schätzungen – bleibt unklar, was die ursprüngliche Quelle ist. Manche weichen voneinander ab oder widersprechen sich. Wo ich wissenschaftliche Angaben finden konnte, habe ich sie als Zitat dazu gestellt. Soweit ich dazu komme, ergänze ich die Infos – Hinweise dazu sind immer willkommen! Letztes Update: 28.02.2012

 

FAQs / EINFÜHRUNGEN

  • STAP – Marine Debris as a Global Environmental Problem (11/2011)
  • NOAA Marine Debris Program
  • Plastic Marine Debris
  • Garbage Patches
  • Algalita – Frequently Asked Questions
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    Und hier meine Liste von Fragen – noch recht chaotische work in progress:

     

    Was ist ein „Müllwirbel“ im Meer und wie sieht er aus?
    Wieso dreht sich der Müll in großen Wirbeln?
    Wo gibt es „Müllwirbel“ und große Ansammlungen von Kunststoff im Meer?
    Was schwimmt in den Müllwirbeln herum?
    Wo gibt es die weltweit höchsten Konzentrationen von Plastikteilen im Meer?
    Wo – in welchen Wasserschichten – befindet sich das Plastik im Meer?
    Wo kommt das Plastik her?
    Was für Risiken gehen von Plastik im Meer aus?
    Gibt es eine Möglichkeit, das Plastik wieder aus dem Meer zu entfernen?
    Wer ist für die Säuberung der Gebiete verantwortlich, in denen sich das Plastik sammelt?

     

    Was ist ein „Müllwirbel“ im Meer und wie sieht er aus?

    „Es gibt weder eine Insel aus Müll, die sich in der Mitte des Ozeans bildet, noch eine Mülldecke, die man auf Satelliten oder Luftaufnahmen sehen kann. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Abfall, den man hier findet, aus kleinen Teilen von schwimmendem Plastik besteht“, schreibt die US-amerikanische Umweltbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA auf ihrer Webseite (Übersetzung von mir).

     

    Wieso dreht sich der Müll in großen Wirbeln?

    In Geo 2004 wird das so erklärt

    „Am Äquator steigt heiße Luft auf, wird durch die Erddrehung westwärts abgelenkt, sinkt erkaltet auf etwa 30 Grad nördlicher Breite wieder ab und strömt in einer Ausgleichsbewegung ostwärts zurück. Durch den kreisenden Luftstrom wird auch das Wasser bewegt, langsam zwar, aber beständig.“

     

    Wo gibt es „Müllwirbel“ und große Ansammlungen von Kunststoff im Meer?

    Laut einer Informationsbroschüre der NOAA (undatiert), sind Müllwirbel im Pazifik nachgewiesen, im Atlantik noch nicht. Das taz-blog 5/2010 schreibt von Wirbeln im Pazifik und Atlantik. Genauer verortet sie die FAZ 1/2011 im Nord-Pazifik und Südwest-Atlantik.

    Pazifik

    Im Pazifik gibt es einen Wirbel 2000 km nordwestlich von Hawaii, schreibt taucher revue 9/2010. Von zwei Wirbeln weiß ntv.de 8/2010: „Einer im westlichen Teil des Ozeans vor Japan, und einer im östlichen Teil, zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste.“ Das bestätigt die NOAA (undatiert): Demzufolge existiert ein östlicher Müllwirbel im wandernden nordpazifischen subtropischen Hoch zwischen Hawaii und Kalifornien, ein westlicher vor der Küste Japan. Zudem gebe es hohe Plastikkonzentrationen in der subtropischen Konvergenzzone.

    Atlantik

    Im Atlantik soll es laut taucher revue 9/2010 nördlich der „Karibikküste“ einen Müllwirbel geben. Die (BBC news 2/2010 verorten ihn im Nordatlantik und vor der Karibik, ebenso wie diese Pressemitteilung des International Pacific Research Institute 08/2010 IPRC zur Langzeitstudie von Law et al. AP via Sign on San Diego 4/2010 verortet die Müllkonzentration zwischen Bermudas und Azoren in der Sargassosee, die (BBC news 2/2010 zwischen 22 und 38 Grad nördlicher Breite, ebenso wie 2/2010 Welt online, AP via Sign on San Diego 4/2010. Quelle ist Law und die Sea Education Association. Die National Geographic News 03/2010 legen ihn Hunderte von Meilen vor die nordamerikanische Küste, die Ost-West-Spanne ist demzufolge unbekannt.

    Neben dem Nordpazifikwirbel auch anderswo, schreibt der Spiegel 2/2008: „in mehreren weiteren Wirbeln im Südpazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean fahren ebenfalls Abfälle Karussell, wenngleich in etwas geringeren Mengen.“ Möglicherweise auch im Mittelmeer und der baltischen See, vermutet die taucher revue 9/2010. Laut Spiegel Online 2/2010 sind auch Nord- und Ostsee schwer betroffen.

    „In the open ocean, the abundance, distribution, and temporal and spatial variability of plastic debris are poorly known.“ Law et al 2010

     
    Was schwimmt in den Müllwirbeln herum?

  • Zigarettenfilter, Plastikbeutel, Nahrungsmittelverpackungen gehören zu den „schlimmsten Verschmutzern“ (taucher revue 9/2010)
  • „Wir finden eine Unmenge von Zahnbürsten und Kämmen, Plastikdeckeln und immer wieder Flaschen, meistens aus Plastik. Etwa 60 bis 80 Prozent des Mülls besteht aus Kunststoff. Der Rest ist Metall, Styropor, Gummi und Holz. Wir finden Bojen, Fischernetze, Bauhelme, Plastikteller und medizinische Spritzen. Und manche Dinge, die man nicht so gern aufhebt, wie Kondome und Tampons. Einmal habe ich ein Surfboard gefunden und versucht, es zu reparieren. Manches, was wir finden, ist klein wie eine Erbse, anderes tonnenschwer.“

    Die amerikanische Meeresbiologin und Umweltaktivistin Megan Lamson über das, was sie und ihre Helfer bei Aufräumaktionen am Kamilo Beach auf Hawaii finden (eigener Beitrag bei Deutschlandradio Weltzeit 7/2011)

  • „Mit mehr als 25 Millionen Stück stellten Zigarettenfilter und Zigaretten sogar den größten Anteil an den rund 103 Millionen Stück marinem Müll, die für die Untersuchung katalogisiert wurden.“ (Zeit online 6/2009, Bezug auf Bericht von Unep und Ocean Conservance)
  • „All the water samples were found to contain derivatives of polystyrene, a common plastic used in disposable cutlery, Styrofoam, and DVD cases“ (National Geographic News 8/2009)
  • An Stränden und in Häfen wurden Plastik-Pellets gefunden, das Rohmaterial für Plastikprodukte (Spiegel Online 2/2008, VBS.TV 2008)
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    Wo gibt es die weltweit höchsten Konzentrationen von Plastikteilen im Meer?

  • Müllstrudel nördlich von Hawaii (taucher revue 9/2010)
  • Mittelmeer (2/2011 arte, Video 2/2011). Text vergleicht mit den „ozeanischen Plastikstrudeln“ allgemein, Video nur mit dem Atlantik.
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    Wo – in welchen Wasserschichten – befindet sich das Plastik im Meer?

  • meist wenige Meter unter der Oberfläche im Wasser (Welt online 2/2010, bezogen auf Nordpazifik)
  • die MED Mittelmeer-Expedition untersuchte nur die obersten 10 – 15 cm
  • Wellen tragen Plastik oft bis zu 20 Meter unter Oberfläche (National Geographic News 03/2010)
  • Polystyren aus zerfallenem Styropor ist schwerer als Wasser und sinkt. Solche Substanzen befinden sich wahrscheinlich in der ganzen Wassersäule, nicht nur der Oberfläche  (03/2010 National Geographic News)
  • etwa zwei Drittel sinken auf den Meeresboden (Welt online 6/2011, Quelle Unep-Bericht; FR-online 8/2011: 70 Prozent)
  • „Perhaps 70 percent of plastic at the site has sunk—out of sight, but not out of the ecosystem.“ (National Geographic News 7/2009)
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    Wo kommt das Plastik her?

  • „Das meiste stammt aus der internationalen Schifffahrt.“ (Zeit online 6/2009 Quelle: Unep)
  • 80% kommen vom Festland (6/2011 Welt online – Quelle Unep, jetzt.de 3/2010 – bezogen auf Nordpazifik, 2/2011 arte – bezogen auf Mittelmeer)
  • „Der Müll gelangt zu 80 Prozent über Flüsse, den Wind oder durch Abfalldeponien aus dem Landesinnern ins Meer.“ (taucher revue 9/2010, beziehen sich auf IUCN)
  • Unterscheidet sich von Gebiet zu Gebiet. Zum Beispiel Müll in der Nordsee vor allem aus der Schifffahrt (World Ocean Review 2010)
  • Unep über die Quellen von marinem Müll
  • Auch bei großen Tsunamis können große Mengen Müll ins Meer gelangen. Zur Zeit wird untersucht, wie sich der durch den Tsunami in Japan im Frühjahr 2011 ins Meer gelangte Müll verhält (Pressemitteilung IPRC 1/2012)
  • Non-regulated landfills sited nearby rivers and in coastal areas coupled with illegal dumping, littering and ocean-based dumping have the potential to introduce plastic wastes into the oceans

    Sesini 2011

     

    Was für Risiken gehen von Plastik im Meer aus?

  • Plastikmüll ist eine Form mariner Verschmutzung
  • Alte Firschernetze fangen als „Geisternetze“ weiter unentwegt Lebewesen (Derraik 2002)
  • Meerestiere verheddern sich in größeren Teilen oder fressen das Plastik (Unep, 03/2010 National Geographic News, zitiert Studie von Charles Moore 2008)

    „O’Hara et al. (1988) cited a turtle found in New York that had swallowed 540 m of fishing line.“ Derraik 2002

    „It affects at least 267 species worldwide, including 86% of all sea turtle species, 44% of all seabird species, and 43% of all marine mammal species (Laist, 1997).“ Derraik 2002

  • Von 600 toten, an die Nordseeküste geschwemmten Eisstürmvögeln hatten über 95% von ihnen unverdauliche Abfälle im Magen (Spiegel Online 2/2008 zitiert wird Forschungsinstitut Alterra)
  • 100 000 Meeressäuger sterben daran. Sogar ein im Mittelmeer gestrandeter Pottwal hatte den Magen voller Plastik (taucher revue 9/2010)
  • NOAA kritisch zur Angabe, das jährlich 100 000 Meeressäuger sterben
  • NOAA kritisch zur Angabe, dass jährlich eine Million Seevögel an Meeresmüll sterben
  • NOAA über die bisher bekannten Folgen der Aufnahme von Plastik durch Seevögel
  • „At least 26 species of cetaceans have been documented to ingest plastic debris (Baird and Hooker, 2000). A young male pygmy sperm whale (Kogiabreviceps) stranded alive in Texas, USA, died in a holding tank 11 days later (Tarpley and Marwitz, 1993). The necropsy showed that the first two stomach compartments were completely occluded by plastic debris“ Derraik 2002

  • Fischereiausrüstung bleibt in Korallenriffen hängen und zerstört sie (Unep, Stand 5.9.2011)
  • Angreifen des Lebensraums Meeresboden (Unep)
  • „There is also potential danger to marine ecosystems from the accumulation of plastic debris on the sea floor. (…) The accumulation of such debris can inhibit the gas exchange between the overlying waters and the pore waters of the sediments, and the resulting hypoxia or anoxia in the benthos can interfere with the normal ecosystem functioning, and alter the make-up of life on the sea floor (Goldberg, 1994).“Derraik 2002

  • Auf Plastikteilen können Spezies durch die Meere wandern. Durch Invasion neuer Arten verändern sich Ökosysteme (Unep, Derraik 2002)
  • Bestimmte Sorten von Plastik zerfallen in immer kleinere Teile, und das unter bestimmten Bedingungen schneller als zuvor gedacht (National Geographic News 08/2009)
  • Meerestiere nehmen das Plastik auf, teilweise integrieren sie es sogar in ihre Körper (Quallen). Das Plastik akkumuliert sich in der Nahrungskette
  • Verschmutzung durch chemische Substanzen im Plastik wie Bisphenol A (siehe auch taucher revue 9/2010)
  • „Bisphenol A (BPA) has been shown to interfere with the reproductive systems of animals, while styrene monomer is a suspected carcinogen.“

    National Geographic News 08/2009

  • Giftige Substanzen reichern sich um Partikel an. Tiere nehmen sie auf. (National Geographic News 08/2009, Unep)
  • „Die Plastikteile fungierten zudem als „Gift-Fallen“, berichtet Richard Thompson, Meeresbiologe an der Universität Plymouth in Großbritannien: Unlösliche krebserregende Substanzen wie DDT lagerten sich daran ab; ihre Konzentration ist jüngsten Studien zufolge an den Partikeln mitunter um den Faktor eine Million höher als normal.“

    Spiegel Online 2/2010

  • Plastik kann zur Auflösung bis zu 400 bis 1000 Jahre brauchen (taucher revue 9/2010)
  • „some plastic articles may take 500 years to decompose (Gorman,1993; UNESCO, 1994)“ Derraik 2002

  • Dass Strände gereinigt werden müssen, kann Auswirkungen auf Tierarten haben, die sich hier fortpflanzen Unep
  • Es ist noch unbekannt, wie sich das Plastik genau auf die marinen Ökosysteme auswirkt (BBC news 2/2010, zitiert Law / Sea Education Association)
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    Gibt es eine Möglichkeit, das Plastik wieder aus dem Meer zu entfernen?

  • Nein, die Mikroplastik-Partikel bleiben dort für immer, heißt es im Beitrag arte 2/2011
  • Problem ist: „Mit herkömmlichen Absaugmethoden würde man das wertvolle Zooplankton vernichten, ebenso das Phytoplankton, einen der wichtigsten Sauerstoffproduzenten der Erde.“ (taucher revue 9/2010)
  • „Die größeren Plastikteile einzusammeln und zu entsorgen, wäre teuer und aufwändig“ (taucher revue 9/2010)
  • Kein einziges Unternehmen hat Mittel zur Säuberung, zitiert taucher revue 9/2010 einen ungenannten Vertreter der NOAA
  • „bisher haben wir keine Anzeichen dafür, dass irgendwelche Mikroorganismen es abbauen können.“ (Spiegel Online 2/2008, Zitat Thompson)
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    Wer ist für die Säuberung der Gebiete verantwortlich, in denen sich das Plastik sammelt?

  • Wenn sie auf Hochsee außerhalb der Hoheitsgebiete liegen: Kein Staat (taucher revue 9/2010)
  • 2 Antworten auf „Plastikmüll im Meer: Häufige Fragen“

    1. Guten Tag Anja Krieger,

      als Bewohner dieses Planeten stelle ich mir diese Fragen häufig.
      Da sich der Mensch sein eigenes „Universum“ erschaffen hat, trifft man auch überall auf seine Ausscheidungen, sprich Müll, in jeglicher Form. Das Prinzip des unter den Teppich kehrens beherrscht auch die Wirtschaft ausgezeichnet und solange der Informationsfluss nicht vorhanden und die Schädigung nicht unmittelbar sichtbar ist, wird die Spezies Homo sapiens hemmungslos und unüberlegt so weiter verfahren.

      Blickt man gen Himmel und schaut sich die Tabellen über Weltraumschrott an, weiß man, dass der Mensch seine Probleme nie in den Griff bekommen wird. Leider trifft der dafür zu zahlende Preis nicht nur das Überleben seiner Spezies. Man kann sagen, dass der Mensch der größte Feind dieses Planeten ist. Es wäre gut, wenn bei Planungen der Wirtschaft auch die Kosten für eine nötige umweltverträgliche Entsorgung und Wiederaufarbeitung bedacht werden würden. Nun heißt es: die Geister die man rief…

      Außerdem: Wer verschwendet denn nach getaner erfolgreicher Arbeit (nur?)in der Wirtschaft verantwortungsvolle Gedanken über das „Aufräumen“ und setzt diese, mit Blick auf die Kosten um? Bekanntlich stirbt die Hoffnung aber zuletzt –
      in diesem Sinne sende ich Ihnen meine besten Wünsche.

      Freundliche Grüße
      Elisa

    2. Hallo Elisa, ich würde sagen, es ist bereits sichtbar, dass unser Konsum einschneidende Folgen hat. Wie Sie denken viele Menschen darüber nach. Insofern bin ich überzeugt, dass nicht alle Menschen so unüberlegt und hemmungslos sind. Sicher gibt es auch Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten und die dasselbe beschäftigt. Kein System, weder die Wirtschaft noch der Umweltschutz, ist einfach nur gut oder schlecht. Es scheint aber ziemlich schwer, die komplexen Zusammenhänge wirklich zu verstehen und Lösungen zu finden, die nicht wieder selbst Probleme sind – und die auch noch in ein System zu integrieren, das auf Wachstum ausgelegt ist. Vielleicht hat dieses System nicht für immer Bestand – oder es finden sich Möglichkeiten, wie wir seinen Rahmen besser und anders nutzen. Wir haben als Menschen eine Menge falsch gemacht, aber unsere Fehler auch erkannt und Lösungen gefunden. Ich glaube, es gibt weder Grund für naiven Optimismus noch für kategorischen Pessimismus.

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