Plastik im Meer: Wissenschaftliche Studien

Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich in den letzten Jahren der Erforschung von Kunststoffmüll zugewandt. Hier sammele ich interessante wissenschaftliche Studien und Quellen zum Thema Plastikmüll und Plastikmüll im Meer.

Ich habe versucht, Thema und Inhalt kurz zusammenzufassen – für genauere Angaben einfach auf den Link klicken und selbst nachlesen.

Wer noch andere wichtige Studien kennt, Kommentare hat oder Fehler findet, ich freue mich über Hinweise. Die Jahreszahl entspricht dem Datum der Veröffentlichung. In vielen Fällen geht der Link zu Google Scholar, die Quelle müsste dann der erste Treffer sein. Letzte Aktualisierung: 04.04.2018.

Ich habe diese Liste am 2011 begonnen und bin zwischenzeitlich nicht zu Updates gekommen. Neuere Studien, vor allem die zwischen 2014 und 2018, werde ich noch einfügen.

 

2017

Geyer, Jambeck, Lavender Law: Production, use, and fate of all plastics ever made

  • 8300 Millionen bzw. 8,3 Milliarden metrische Tonnen: Soviel Plastikgranulat wurde laut der Studie bisher weltweit produziert.
  • Bis zum Jahr 2015 wurden insgesamt 6300 Millionen oder 6,3 Milliarden metrische Tonnen Plastikmüll produziert.
    • 9% des Plastikmülls wurden recycelt
    • 12% des Mülls wurden verbrannt
    • 79% landeten auf Deponien oder in der Umwelt
  • Sollten sich Produktion und Entsorgung fortsetzen wie bisher, dürften 2050 rund 12 000 Millionen Tonnen, also 12 Milliarden Tonnen, Plastikmüll auf Deponien liegen oder in die Umwelt gelangt sein

2014

Eriksen, Lebreton, Carson, Thiel, Moore, Borerro, Galgani, Ryan, Reisser: Plastic Pollution in the World’s Oceans: More than 5 Trillion Plastic Pieces Weighing over 250,000 Tons Afloat at Sea

Cózara, Echevarríaa, González-Gordilloa, Irigoienb, Úbedaa, Hernández-Leónd, Palmae, Navarrof, García-de-Lomasa, Ruizg, Fernández-de-Puellesh, Duarte: Plastic debris in the open ocean.

2012

Goldstein, Rosenberg, Cheng: Increased oceanic microplastic debris enhances oviposition in an endemic pelagic insect.

  • Die Studie stellt einen hundertfachen Anstieg von Mikroplastik in einigen Gebieten des subtropischen Strömungswirbel des Nordpazifik fest
  • Es werden Daten aus den Zeitspannen 1972 bis 1987 und 1999 bis 2010 angeführt
  • Die Plastikpartikel dienen einer Insektenart als „Plastosphäre“, wo die Insekten ihre Eier ablegen können, so dass sich die Tiere vermehren

 

Kukulka, Proskurowski, Morét-Ferguson, Meyer, Law: The effect of wind mixing on the vertical distribution of buoyant plastic debris

  • Plastik verteilt sich durch Wind in der oberen Wassersäule auch vertikal
  • Untersuchtes Gebiet: Nordatlantik
  • Folgerung: Klassische Messungen an der Oberfläche führen dazu, dass die Menge an Plastik unterschätzt wird
  • „Data collected from just the surface of the ocean underestimates the total amount of plastic in the ocean by an average factor of 2.5. In some cases estimates might by off by as much as a factor of 27.“ laut Pacific Standard

 

 

2011

Claessens et al.: Occurrence and distribution of microplastics in marine sediments along the Belgian coast

  • An der belgischen Küste findet sich in den Sedimenten Mikroplastik unter <1 mm
  • In Proben aus Häfen ist die Konzentration höher als in Strand- und Küstensedimenten
  • 59% davon sind Fasern
  • Trend der Zunahme von Mikroplastik über die letzten 16 Jahre im Sediment

Thanks to the NOAA staff for this link and info on the study.

 

Lattin, Zellers: Antarctic Samples – Result of Algalita Marine Research Foundation Laboratory Analysis

  • Ergebnisse von vier Proben der Algalita-Stiftung aus dem Oberflächenwasser südlich von Südamerika zwischen dem 57. und 63. Grad südlicher Breite und dem 56. und 67. Grad westlicher Länge im Januar 2011: In allen vier Proben fanden die Forscher Plastik, insgesamt 127 Teile mit einem Gewicht von 0,123 Gramm, das sie auf eine Durchschnittsmasse von 22 Gramm pro Kilometer hochrechnen. Siehe auch die Pressemitteilung

 

Marzia Sesini (Masterarbeit): The Garbage Patch in the Oceans: The Problem and Possible Solutions. Master of Science in Sustainability Management, Earth Institute Columbia University, August 2011

  • Schätzung des Gewichts an Plastik in den Meereswirbeln (Gyres) aufgrund mathematischer und physikalischer Modelle sowie bisheriger Proben
  • Gesamtgewicht in den Gyres: 36 939 Tonnen
  • Einzelne Schätzungen für die Regionen auf Grundlage von Daten: Nordpazifik 20 240, Nordatlantik 9064 Tonnen; auf Grundlage von Modellen: Südatlantik 2590 Tonnen, Südpazifik 2860 Tonnen, Indischer Ozean 2185 Tonnen

 

Browne et al: Accumulation of Microplastic on Shorelines Woldwide: Sources and Sinks

  • In der Studie wurde Mikroplastik an weltweit 18 Küstengebieten auf 6 Kontinenten von den Polen zum Äquator untersucht. Die Autoren folgern, dass ein großer Teil des Mikroplastiks über Abwassersysteme ins Meer gelangen und vom Waschen synthetischer Textilien in der Waschmaschine stammen könnte.

 

Thiel et al: Spatio-temporal distribution of floating objects in the German Bight (North Sea)

 

 

2010

Proceedings of the GESAMP International Workshop on Microplastic particles as a vector in transporting persistent, bio- accumulating and toxic substances in the ocean

  • Umfangreiche Informationen zum Thema mit Fokus auf der Frage, ob Plastikpartikel in relevantem Ausmaß giftige Substanzen im Meer anreichern und verbreiten.

 

Law et al: Plastic Accumulation in the North Atlantic Subtropical Gyre

  • Die Sea Education Association (SEA) führte zwischen 1986 und 2008 eine Forschungsreihe durch, bei der die Mengen von Plastikteilen an der Oberfläche des westlichen Nordatlantik erhoben wurden. Der in Science erschienene Artikel fasst Ergebnisse und Schlussfolgerungen zusammen.

 

Boerger et al: Plastic ingestion by planktivorous fishes in the North Pacific Central Gyre

  • Die 2008 im östlichen Teil des Nordpazifik-Wirbels durchgeführte Untersuchung an kleinen Fischen ergab, dass etwa 35 Prozent der eingefangenen Fische Plastik im Magen hatte und damit auch Fische auf tieferer Ebene der Nahrungskette das Material aufnehmen.

 

 

2009

Thompson et al: Plastics, the environment and human health: current consensus and future trends

 

2008

Hawai’i Marine Debris Workshop Summary Report (PDF von NOAA)

 

2007

Pichel et al: Marine debris collects within the North Pacific Subtropical Convergence Zone

  • 2005 flogen Forscher in die nordpazifische subtropische Konvergenzzone und zählten gesichtete Plastikteile und Tiere. Der im Marine Pollution Bulletin erschienene Artikel fasst die Ergebnisse zusammen

 

 

2002

Derraik: The pollution of the marine environment by plastic debris: a review.

  • Derraik gibt im Marine Pollution Bulletin eine umfangreiche Übersicht über den Forschungsstand zum Thema Plastik im Meer, vor allem was die Auswirkungen von Plastikmüll auf Meereslebewesen angeht.

 

Gutow und Franke: Metapopulation structure of the marine isopod Idotea metallica, a species associated with drifting habitat patches

  • Gutow und Franke untersuchen eine Art Meeresasseln, die sich mit Vorliebe auf schwimmendem Plastik ansiedeln

 

2001

Moore et al: A comparison of plastic and plankton in the North Pacific central gyre

  • Auf diesen Artikel geht die “Plastik-zu-Plankton-Ratio” von sechs zu eins zurück. Moore und seine Crew nahmen 1999 auf einer Fahrt im Nordpazifik über vier Tage an elf verschiedenen Stellen Wasserproben. Sie zählten dabei fünfmal mehr Planktonorganismen als Kunststoffteile. Nachdem sie die Funde getrocknet hatten, wog das gesammelte Plastik insgesamt 424 Gramm und das Plankton 70 Gramm. Kritische Stimmen dazu: Plastikmüll im Meer: Zahlen und Größen nach Meeresregion im Vergleich

 

 

1990

Day, Shaw et al: The quantitative distribution and characteristics of neuston plastic in the North Pacific Ocean, 1985-88

 

 

1975

US National Academy of Sciences Workshop Panel: Assessing potential ocean pollutants, Chapter 8, p405-431.

  • Auf Seite 422 findet sich die ursprüngliche Schätzung von jährlich 6,36 Millionen Tonnen ins Meer eingebrachten Müll – im Fazit wird das auf 6,4 gerundet. Folgt man Table 8-4, sind offensichtlich gross tons gemeint, die nur wenig von der metrischen Tonne abweichen, siehe Wikipedia. Zu dieser und anderen Zahlen, siehe auch Plastik im Meer: Größen und Zahlen im Vergleich.

 

 

1972

Carpenter, Smith: Plastics on the Sargasso Sea surface

  • In der Sargassosee im Nordatlantik gehen den Forschern dieser Studie über eine Distanz von 1300 Kilometer Plastik-Teile ins Netz, trotz großer Distanz zum Festland. Der Artikel fasst die Funde zusammen und stellt erste Überlegungen zu möglichen Folgen an.

 

 

 

Foto oben: Plastikmüll, den wir am Kamilo Beach auf der Big Island von Hawai’i gefunden haben.

Eine Antwort auf „Plastik im Meer: Wissenschaftliche Studien“

  1. Praktische Sammlung. Es ist tatsächlich schon Einiges – gut, man müsste die Qualität der Artikel wohl selbst prüfen aber ich bin überrascht, dass es so viele sind.

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