Auf’m Kudder

Um vier aus dem Bett, um fünf aus dem Hafen. 14 Stunden auf See. Rausfahren, rumliegen, quatschen, sich ausfragen. Nach Sonnenaufgang die schwere Winde anschmeißen und das Netz ins Meer lassen.

Fünf Stunden warten, schlafen, quatschen, den Funk hören. Schiffe gucken durchs Fernglas. Muffins von der Schwiegermutter. Müßiggang, bis das Netz voll ist.

Die Winde andersrum drehen, das Netz an Bord hieven, Fischausnehmen im Akkord – Kabeljau und Plattfische, Hunderte von Kilo, zack, zack, zack.

Eine Tonne Fisch, den Rest kriegen die Möwen. Knochenarbeit.

Der zweite Hol: Netz hoch, Fische raus, Wasser rein, ein Keschervoll ausnehmen, in die Körbe pfeffern, mit dem Schlauch abspülen, nächster Kescher. Alles in die Plastikkisten, fertig fürs Lager.

Der Kutter macht kehrt, es wird dunkel. Um sieben im Hafen, nur noch ausladen, dann ist der Tag vorbei.

Landkrank schwankend nach Hause. Um vier aus dem Bett, um fünf aus dem Hafen. Ich schlafe durch.

Kippen, Deckel, Plastiktüten

Zwei Filmtipps und eine Ausstellung: Zu den Folgen unserer Wegwerfgesellschaft solltet ihr euch unbedingt die Arte-Doku „Plastik: Der Fluch der Meere“ ansehen.

Die Autoren haben weltweit Forscherinnen und Forscher besucht, die untersuchen, wie sich Kunststoff auf das Meer und seine Lebewesen auswirkt. Mit der Besatzung von 5 Gyres sind sie durch den südlichen Pazifik gesegelt, um Hinweise zu sammeln, dass sich auch hier Müll in Meeresströmungen weitab vom Land fängt.

Im südlichen Atlantik scheint es nicht besser auszusehen. Michael Lutman hat die 5 Gyres Crew von Brasilien nach Kapstadt begleitet und das in seinem Film „Plasticized“ verarbeitet – ebenfalls sehr sehenswert.

In Hamburg läuft gerade die Ausstellung „Endstation Meer?“ die zum Plastic Garbage Project gehört – zu sehen noch bis Ende März. Da wird gezeigt, was bei Sammelaktionen am Strand zusammen kommt. Was, schätzt ihr, ist der Top-Fund? Tatsächlich sind es Zigarettenfilter noch vor Plastikdeckeln, Flaschen und Tüten. Wer hätte das gedacht?

Zum Arte-Film gibt es noch ein Online-Spezial.

Klettern auf dem Treibhausgasberg

Klimagase sind irgendwie unfassbar. Deshalb finde ich diese Visualisierung des CO2-Fußabdrucks von New York so toll. Die Animation von CarbonVisuals gibt einen Eindruck, was für einen Berg an Klimagasen die Stadt Jahr für Jahr auspustet. Das geht gemächlich los und wird dann schnell ziemlich windig.

CO2-Fußabdruck von New York 2010 in Zahlen
– 1,72 Tonnen pro Sekunde
– 6204 Tonnen pro Stunde
– 148 903 Tonnen pro Tag
– 54 349 650 Tonnen pro Jahr
– 2010 waren die Emissionen 12% geringer als 2005
Quelle: CarbonVisuals

Das Video wurde finanziert vom Environmental Defence Fund.
Einbettung mit freundlicher Genehmigung von Antony Turner.

Flight Hangover

When I was a little kid, I loved to travel and see new places. My father worked at the airport, and so it seemed only natural to fly to places during holidays. I remember we took two transatlantic flights and later mimicked the „Thank you for flying Ammmerican Airlines“ of the on-board video.

In 1994, at age 16, I hopped on a one-way trip to Boston to spend some time in Massachusetts. The location was completely out of my mind’s range. Massachusetts? Never heard of it. Yet it took only a few hours to get to Logan airport in Boston and from there to the rural, soft New England hills. Thousands of kilometres away, but accessible in a day thanks to that metal cabin over the clouds. My favorite class at the school was, ironically, ecology.

This week, delegates from allover the world flew to Doha to meet at the climate change summit. I stumbled upon an article by Laura Cowen on her 2010 „No-fly year“. She writes:

„The single most significant thing an individual can do to reduce their impact on climate change is to stop flying.“

In the article, Laura Cowen calculates her CO2 emissions of past year’s flights. Curious about how my travels add up, I calculated my flight CO2-emissions from that first solo trip until today.

The results, calculated on atmosfair’s website, are pretty staggering. Flight Hangover weiterlesen

Die Energie für unsere Daten

„Of all the things the Internet was expected to become, it is safe to say that a seed for the proliferation of backup diesel generators was not one of them.“

Die New York Times hat ein Jahr lang recherchiert, wie umweltfreundlich Datencenter eigentlich sind. Hier der Link zum NYTimes-Artikel vom September 2012.

Mehr Links

 A Greener Internet? 

Kamera läuft!

Sehr cooler Film darüber, wie die Digitalisierung die Arbeitsweise im Filmbusiness umgekrempelt hat und das auch weiterhin tut – von und mit Keanu Reeves, der sich für den Film einen extra fleckigen Dokumentarfilmerbart hat stehen lassen und mit sympatisch unsicherer Erzählstimme auf Reise durch die Welt der Formate geht. Die O-Töne liefern unter anderem Martin Scorsese, Danny Boyle und Lars von Trier:

Side by Side Official Trailer (2012) from Company Films on Vimeo.

Jetset des Guten und Halbguten

In der Le Monde Diplomatique ist heute morgen eine ganz großartige Geschichte von Kathrin Röggla. Leider, leider finde ich sie nirgends online.

Es geht um „die Vielflieger“. Röggla erzählt den Flug einiger jetsettender Weltverbesserer. Von der WHO-Dame bis zum Public-Private-Partnership-Berater sitzen sie alle zusammen im Flieger, um „top down“ auf die Welt abzuspringen und Gutes zu verbreiten.

Einer hat vor, die Schulbuchwelt Kirgisiens in nur zwei Tagen zu retten. Der Nachhaltigkeitsprofessor ist aufgestanden und übt schon mal für seinen Vortrag über die Grenzen des Wachstums, indem er den anderen Fluggästen Flugdiät predigt.

„Wir finden das im Prinzip richtig, was er sagt, wir wollen unser Leben ja alle ändern, sitzen aber noch im Flugzeug und wissen noch immer nicht, ob jetzt noch Drinks kommen. Oder doch eher Einbrüche an den Rohstoffmärkten (…).“

Von hinten nervt der Wassermensch mit vernebelten Schwaden über Baumwollbauern in Usbekistan.

„Aber wir sind ja im Prinzip unterwegs im Guten oder Halbguten. Wir wollen den Aufbau, die Verbesserung der Lebensqualität, auch wenn unsere Arbeit uns oft vergeblich erscheint. Hier in Reihe 4 bis 9. Weiter hinten, das wissen die Götter. Die Reihe 27 macht beispielsweise andauernd Lärm. Sind das Investmenthaie, die gekommen sind? Die, die in Sachen Ölpipeline unterwegs sind?“

Der Landeanflug kommt irgendwie überraschend, und in welcher Stadt ist man nochmal genau?

Ganz wunderbar der Artikel, dürfte der Netz- und Nachwelt eigentlich wirklich nicht vorenthalten werden.

Die Deadline

Deadline

Manchmal, wenn die kleine ungeduldige Deadline „Buh!“ macht, ignoriert man sie einfach und das klappt. Sie grummelt kurz, murmelt noch ein, zwei unverständliche Dinge in sich hinein, dreht sich um und verschwindet wieder bis Übermorgen.

Es gibt aber auch Tage, da bleibt sie stehen und verschränkt die kleinen Arme. Dann hüpft sie wie ein Springseil auf und ab und sagt „Ey, wenn du das nicht fertig machst, gibt es morgen ein Loch!“ Dabei malt sie viele Ausrufezeichen in die Luft, so dass Staub aufwirbelt und alle Insekten vor Schreck flüchten.

Wie wir alle wissen: Ein Loch geht nicht. Die Welt muss sich drehen und lückenlos gefüllt werden mit allem möglichen materiellen, nichtmateriellen und sonstigem CONTENT. Sonst entsteht womöglich der Eindruck, sie habe aufgehört sich zu drehen. Was nicht auszudenken wäre.

Deshalb lassen wir uns von diesen niedlichen Wesen herumscheuchen. Wir möchten sie ja auch nicht missen, die nervigen kleinen Dinger, bestehend aus Datum und Uhrzeit. Letzteres wurde übrigens auch irgendwann von irgendwem, der oder die das alles mal besser koordinierten wollte, in ein Loch gesetzt.

Foto von Barbnerdy auf Flickr.

Reise ins digitale Nirwana

Digitalnirwana

Wir können heute ständig online sein. Was für Momente und Zustände erleben wir in der Welt hinter dem Bildschirm? Erfahren wir Zeitlosigkeit, Gemeinschaft und Freiheit – oder setzt uns die ständige Möglichkeit, ans Netz zu docken, unter Stress? Im Feature erzählen Kathrin Passig, Hartmut Rosa und Schülerin Lisa, was die Faszination der Bildschirme für sie bedeutet. Beitrag nachlesen

hr2kultur | Funkkolleg Medien | 2.3.2013 | 26. Min.

Szene-Demos

Bisher habe ich ja nie verstanden, worum es dabei geht. Irgendwas mit Protestieren und Steine werfen? Natürlich ist mit der „Demoszene“ was ganz anderes gemeint, es geht um Programme, die audiovisuelle Kompositionen in Echtzeit produzieren. Gestern hab ich einige der Leute, die solche Demos machen, zufällig auf einer Party getroffen, und als sie merkten, dass Interesse da ist, haben sie mir gleich ihre ganzen Lieblingsdemos vorgeführt.

Am beeindruckendsten war dieses erste Video. Eigentlich sieht es aus wie eine ganz normale 3D-Animation, aber der Punkt ist: Das Ding dahinter ist nämlich eigentlich kein Video, sondern die Landschaft und Sound werden live über Algorithmen generiert. Das kann man sich vorstellen wie den Unterschied zwischen den Noten für ein Stück, das ein Orchester spielen soll, und der fertigen Aufnahme eines Orchesters, das diese Noten dann schon interpretiert hat.

Und der ganze Programm-Code, inklusive aller Musik und Bilder, passt auf 4kb – ein Platz, wie mir die Demoleute erklärten, den normalerweise so etwa der kleine Fitzel in der rechten oberen Ecke einer Webseite einnimmt. Ziemlich abgefahren.

Die Demoleute setzen sich also selbst Beschränkungen, ihre Programm-Kompositionen in möglichst wenig Platz zu packen. Wie beim Sport gibt es dann verschiedene Disziplinen, für die man programmiert, das können Größenbeschränkungen oder auch bestimmte Hardware sein – und zwar gern nicht die neuen, sondern gerade alte Maschinen.

Bei den alten Computern besteht die Herausforderung nicht nur im geringeren Speicherplatz, sondern auch darin, über das hinauszugehen, was bisher mit dem Gerät für möglich gehalten wurde. Und weil manche Computer so alt und selten sind, kann es dann sein, dass bei einer Demonstration nur drei Leute im Publikum wirklich verstehen, was da jemand geleistet hat, haben die Demoleute erzählt.

Die eigene Ästhetik der Kompositionen spielt aber auch eine wichtige Rolle, nicht nur die Ausdehnen des Machbaren.

Am allerinteressantesten ist die Herkunft dieser ganzen Szene. Sie ist aus der Cracker-Szene hervorgegangen, aus Leuten, die den Kopierschutz von Spielen geknackt haben und dann, so ein bisschen wie in der Sprayer-Szene, ihren Stempel und Namen auf dem Spiel hinterlassen haben. Und weil man wenig Platz hatte auf Disketten und ähnlichem, musste man dann mit ganz wenig Platz möglichst beeindruckende Sachen machen.

Da ist also auch ein gutes Stück Hip-hop-mäßige Angeberkultur dabei, wo man seine Crew oder andere Gruppen grüßt. Am Ende führte das dazu, dass manche Leute nur noch diese immer schicker werdenden Cracker-Stempel angucken wollten und das geknackte Spiel, das dran hing, zweitrangig wurde. Irgendwann fanden dann einige, dass man die Spiele gar nicht mehr braucht, und koppelten die Demos ab.

Die Platzbeschränkung ist jetzt eine künstliche Vorgabe, aus der unglaubliche Sachen entstehen, die mit extrem effizientem Programmcode auskommen müssen. Am anderen Ende der Disziplinen-Skala gibt es dann aber auch die ganz ohne technische Beschränkungen, wo die Grenzen des derzeit in Echtzeit machbaren ausgeweitet werden.

(Auch dazu gab es ein cooles Video und auch das kommt hier dazu, wenn ich es finde)

Cykelsuperstier

Macht Berlin zur Fahrradstadt!


Ich träume immer wieder davon, dass Berlin eine echte Fahrradstadt wird. Zum Beispiel wieder neulich auf dem Weg zur Arbeit. Da fahre ich öfter die Linienstraße in Mitte entlang, die seit einiger Zeit eine Straße für Fahrradfahrer ist. Autos können hier nur eingeschränkt fahren.

Die Straße ist mittlerweile unter FahrradfahrerInnen so beliebt, dass man sich morgens schon ein bisschen wie auf einer kleinen Fahrradautobahn vorkommt, mit allen Typen des Straßenverkehrs, mit träumenden Schlänglern, quatschenden Paarfahrern, sich abrackernden Tandemfamilien, Smartphone-telefonierenden Fixie-Nerds und natürlich den ungeduldigen Schnelltretern mit oder ohne Helm.

Kein Wunder, dass hier so viel los ist. Die Torstraße auf der Parallelen ist mit mehreren Spuren und immer schnellem Verkehr eine ziemlich ungemütliche Strecke. Seit es die Fahrradstraße gibt, kann man schön und entspannt die Alternative nutzen. Das geht dann aber leider nur bis zum Oranienburger Tor. Danach geht es dann los mit der Spießrutenfahrt, richtig ätzend wird es dann, wenn man in Schöneberg mit auf die LKW/Busspur darf. Es ist vielleicht nicht ganz so schlimm wie Casey Neistat das für die Radwege in New York so hübsch dokumentiert hat, macht aber auch keinen Spaß.

Es wäre toll, wenn alle Gegenden in Berlin über Fahrradstraßen erreichbar wären. Es fahren ja auch immer mehr Menschen Rad. Und den PKW zum Zentrum der Verkehrsplanung zu machen, macht doch heute sowieso keinen Sinn mehr, im 21. Jahrhundert.

Vor einem Kreuzberger Bastelladen steht ein Fahrradständer vor der Tür, auf dem steht sinngemäß, dass das Fahrrad die Krone menschlichen Erfindertums ist. Da kann man natürlich drüber streiten, aber auf jeden Fall ist es 100% emissionsfrei in der Nutzung, günstig, macht fit, braucht kein Benzin und verbraucht weniger Platz pro Mensch – morgens sitzt in fast jedem Auto, das ich auf dem Weg sehe, gerade mal eine Person. Und natürlich ist es viel schneller als Zufußgehen. Nur angenehm ist ein langer Fahrradweg durch eine Großstadt wie Berlin heute noch nicht.

Ich fahre also morgens die Linienstraße entlang und träume von der Fahrradstadt, die Leute auf zwei Rädern nicht zusammen mit Gullis und Schlaglöchern an den abschüssigen, kaputten Rand der Straße verbannt, wo Fahrradwege nicht einfach aufhören und zugeparkt im Nichts enden.

Nach 40 Minuten Fahrt schaue ich leicht verfeinstaubt und etwas gestresst ob der morgendlichen Laster bei Twitter vorbei. Und da sehe ich, was @autofocus schreibt: Dass es nämlich das, was ich mir hier für Berlin wünsche, anderswo schon gibt, und zwar in Kopenhagen!

Liebe VerkehrsplanerInnen, zwölf Straßen für uns RadfahrerInnen (Laut Fahrrad-Wiki) sind schon ganz nett, aber wie viele tausend Straßen gibt es im Vergleich, die Autos privilegieren?

Könnt ihr da nichts drehen, ich meine, Berlin will Kopenhagen doch nicht nachstehen, oder? Außerdem: So viele Autos in der Stadt sind doch echt voll retro.

Und wenn ihr mir jetzt mit dem alten Wintertotschlagargument und den kriselnden Berliner Öffis kommt: Zur Entlastung der vereisten S-Bahn kann der Cykelsuperstier in den eiskalten Berliner Frostmonaten dann ja kurzzeitig in Winterschlaf gehen. Klingt das nach einem Kompromiss?

Noch was für zwei Räder:

Ein Projekt des mittelmäßig begeistert empfangenen Guggenheim-Labs will die Berliner Straßen nach Fahrrad-Freundlichkeit kartieren. Eigentlich doch ein netter Plan, ist aber noch ein bisschen am Anfang.

Derzeit sind viele Straßen gleichzeitig rot, grün, glücklich und gestresst. Toll wäre eine Suche nach Straßennahmen, ein Routenplaner – und vor allem als Plattform die OpenStreetMap. Freie Daten für freies Fahren!

Tschüss, Facebook

So, jetzt ziehe ich auch bei Facebook aus. Die Koffer sind gepackt. Hat ganz schön lange gedauert, auch nur das Wichtigste zusammen zu klauben. Facebook greift einem da ja nicht besonders unter die Arme. Steht nur daneben und guckt dumm rum.

Also muss man selbst mit dem Zettel rumgehen und alle Kontakte einsammeln. Klick klick klick. Das hat ungefähr zwei Tage gedauert und war so monoton, dass ich mir die Schulter verrenkt hab und erstmal kaum noch klicken kann.

Interessanter noch: Von etwa 270 Facebook-Profilen wurde in über 100 nur noch die Facebook-Email angezeigt. Manchmal nur eine Nummer vor dem @facebook.com. Ungefähr 70 erreiche ich gar nicht mehr, außer über Facebook.

Zeit, zu gehen, bevor Facebook noch den Rest aller Kommunikation monopolisiert. Wie man wieder raus kommt, wenn man schon so abhängig geworden ist, fragte ein Freund. So, wie’s auch angefangen hat: Weiter ziehen, die anderen mitnehmen.