Kubas weiter Weg ins Web

Von der digitalen Avantgarde zum netzarmen Nachzügler: Auf Kuba ist es auch heute noch eine Herausforderung, ins Netz zu kommen. Das dürfte sich erstmal nicht ändern – trotz schnellerer Datenübertragung über ein neues Kabel.

Es war einmal ein Land, das zur digitalen Avantgarde gehörte. Schon Anfang der 80er kommunizierte Kuba mit der Sowjetunion über Email. Mitte der 90er kam das Web. „Eine neue Ära hat begonnen“ freute sich damals Jesus Martinez, Direktor des National Center of Automated Data Exchange, CENAI, das heute CITMATEL heißt. Per Dial-Up ging es über vier Netzwerke ins internationale Netz, darunter das medizinische InfoMed und ein Netzwerk von Computerclubs für Jugendliche. 15 Jahre später ist Kuba nicht viel weiter. Als „langsam, teuer und restriktiv“ beschreibt Larry Press, Professor an der California State University, den Zugang auf der Insel, der immer noch über Dial-up und einen Satelliten geht – ein schwacher Anschluss für rund 11 Millionen Kubaner.

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Die Politik der Kabel

Kuba dockt mit Venezuelas Hilfe ans schnelle Netz

Die Karibikinsel Kuba war bisher nur über langsamen und teuren Satellit mit dem Netz verbunden. Nun soll ein neues Glasfaserkabel in Betrieb gehen. Haben die Bewohner der Insel damit bald Zugang ins freie Web? Beobachter fürchten eher, dass das Gegenteil passiert und Kuba mit dem neuen Kabel an eine noch ausgefeiltere Zensurstruktur angeschlossen wird. Venezuela stellt den Anschluss mit Unterstützung aus China bereit – beides Länder, in denen es laut der Organisation Freedom House an Internet-Freiheit mangelt. Entsteht auf Ebene des submarinen Kabel etwa eine Art sozialistisches Subnetz? Nein, meint Ewan Sutherland, Experte für Telekommunikations-Strategie, mit dem wir bei Breitband über das globale Kabel-Biz sprechen und der erklärt: Zensieren kann und muss man da, wo das Kabel aus dem Wasser kommt. >> Zum Breitband-Topic >> Mp3 hören

Das letzte Labyrinth

Die Kowloon Walled City war anarchistische Zukunftsvision und Fenster in die chinesisch-britische Geschichte Hongkongs
Kowloon Walled City in "Die Stadt ist unsere Fabrik" von Christoph Schäfer

1898-1997 nach Christus, Hongkong ist von den Briten besetzt. Ganz Hongkong? Nein, nicht ganz Hongkong. Denn in der Kronkolonie trotzt eine kleine chinesische Enklave den Mächten des Empire: die Kowloon Walled City. 95 Jahre lang ist sie die letzte Insel chinesischen Hoheitsgebiets in den New Territories und Dorn im Auge der britischen Behörden. Ein einzigartiges stadtsoziologisches Phänomen: Bis Mitte der 70er Jahre wuchs die Walled City zum dichtest besiedelten Ort der Welt – ein selbstorganisierter Superblock im politischen Vakuum. Die „Stadt der Dunkelheit“ inspirierte Künstler, Schriftsteller und Architekten – und ist heute vom Erdboden verschwunden. Das letzte Labyrinth weiterlesen