Datenspuren – Operation Olympic Games (Übersetzung)

nirwanaDer Künstler James Hoff infiziert sein Klangmaterial mit Schadsoftware und nutzt Programme wie Stuxnet, Flame oder Skywiper als Kompositionswerkzeuge. Er entwirft ein spekulatives Szenario. Wie klingt es, wenn sich ein Virus verselbstständigt? Funktionieren manche Ideen nicht wie Viren? In der Sendung erläutert der Medienwissenschaftler Danny Snelson die Faszination für den eingeschleusten Code und James Hoffs Musik.

Übersetzung aus dem Englischen: Anja Krieger

Deutschlandradio Kultur | Klangkunst | 13.03.2015 | 00:05 Uhr

Sterile Fische aus der Maschine

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Das Künstlerpaar Revital Cohen und Tuur Van Balen erkundet die Grenze zwischen natürlichem und künstlichem Leben. Ich habe mir ihr neues Werk Sterile, zu sehen in Berlin, angeschaut: Sterile Fische, die von einer Maschine produziert werden und selbst zu Maschinen werden Sterile Fische aus der Maschine weiterlesen

Ich saß im Baum und wollte fliegen

„Meine Strichmännchen mit vier Jahren sahen mehr aus wie Vögel als Menschen, und das ist seitdem nicht besser geworden.“ So erinnert sich Lars Jonsson an den Beginn seiner Leidenschaft für die Vogelmalerei. Heute kommt kein Ornithologe Europas an dem schwedischen Künstler vorbei, der mit fünfzehn Jahren seine erste Ausstellung im Museum für Naturgeschichte in Stockholm hatte.

Auf Reise hat Jonsson Hunderte von Vögeln beobachtet, gezeichnet und ihre Eigenheiten in Federkleid, Flug und Ausdruck herausgearbeitet. Seine ausdrucksstarken Bilder dienen vielen Vogelfans zur Bestimmung, Naturführer wie „Die Vögel Europas“ gehören zu den Standardwerken.

Von der seltenen Schneeeule bis zum winzigen Wintergoldhähnchen: Es gibt kaum einen Vogel, den Jonsson nicht portraitiert hat. Doch der 1952 geborene Schwede ist auf dem Boden geblieben. Auf der Insel Gotland lebt er ein beschauliches Leben mit seiner Familie und dem Hund, kocht wochenends für die Gäste in seinem Museum und wird nicht müde, die Bewohner der Lüfte auf Papier einzufangen.

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Euch vermeiden, mich verlieren

Die Stadt der Zukunft ist vernetzt. Sie verbindet Menschen effizient mit Dingen, mit Orten und anderen Menschen. Doch es geht auch anders, als es die Smart-City-Logik will.

Statt besonders effektiv von A nach B zu fahren, kann man sich in der Stadt wunderbar verlieren und aus dem Weg gehen. Und auch dafür gibt es eine App: Mit “Hell is other people”, frei nach Sartres „die Hölle, das sind die anderen“, sieht man auf einer Karte, wo man seine (Foursquare-)Freunde bestmöglichst vermeiden kann. “Drift” will dem Flaneur helfen, sich in seiner gewohnten Umgebung zu verlaufen.

Ich habe die Apps ausprobiert, dabei allerlei Dadaistisches erlebt und mit Moritz von Rappard, der sich bestens in der Kunst des Flanierens auskennt, darüber gesprochen, wie subversiv solche Apps eigentlich wirklich sind – und was noch viel, viel subversiver wäre – die „analoge Senke“.

Vor der Reportage bei Breitband gibt es Ausschnitte aus Marina Schweizers Interview mit dem Erfinder von „Hell is Other People“ zu hören:

Mey Lean Kronemann über Hacken und Monogamie

Im Projekt der Berliner Künstlerin Mey Lean Kronemann geht es um Beziehungen: Beim Lovepicking öffnet sie die Liebesschlösser, die Paare zum Zeichen ihrer Verbundenheit an Brücken hängen, rekombiniert sie und setzt sie wieder zusammen. Das Lockpicking, das zerstörungsfreie Öffnen von Schlössern, hat in Hackerkreisen lange Tradition. Mey Lean Kronemann über Hacken und Monogamie weiterlesen

Antrag auf Freiflug zum nächstliegenden Baum

Neulich rief die Kekstesterin an und hatte keine Kekse im Kopf, sondern die Lange Nacht der Illustration, die an diesem Abend in Berlin stattfand. Also zogen wir los, wanderten von Ort zu Ort und besuchten Buchhandlungen, Kunstläden und Ateliers.

In der schwankenden Weltkugel blieben wir hängen. Dort stellte die Illustratorin Ana Janeva ihr Buch „Gagala“ vor, ein Buch, das in keinen Bücherschrank passt und in keinem Verlag verlegt ist. „Und das bleibt in Zukunft auch so.“ Das Buch im Großformat wird nur in einer kleinen, per Hand im Bethanienhaus gefertigten Auflage hergestellt.

Ana Janeva wurde 1979 in Sofia in Bulgarien geboren. In „Gagala“, ihrer Diplomarbeit, erzählt die Zeichnerin von Befreiung, Migration, Neuanfang, und davon wie die, die vor unerträglichen Zwängen geflüchtet sind, selbst wieder neue aufbauen. Eine Fabel auf das Ausländerrecht.

Im Land Schrottingen leben die Tiere im Elend, eingesperrt von einem hohen Zaun. Als sie zu verhungern drohen, fassen sie einen Entschluss: „Rohe Gewalt hat immer gesiegt.“ – „Genau, schlagen wir uns um die Freiheit“. Und tatsächlich, die Tiere schaffen es sich zu befreien und machen sich auf, in Richtung des Waldes.

Dort, in Plata Morgana, lassen sie sich nieder. Damit das neue Land der Tiere vor den Menschen geschützt ist, werden Gasttiere gesucht, die einen Freiheitszaun erbauen.

Schon bald wird es im Wald zu eng. Die Tiere beschließen, ihn zu entgastifizieren. Regeln soll das die Paraglyphenordnung, die „der Ausgrenzung, Eingrenzung und Begrenzung von Auswäldlern dient“.

§8 STAND BY (1) Der Titel „Stand By“ erlaubt dem Auswäldler einer lohnfreien Tätigkeit im Streichelzoo nachzugehen. Diese Erlaubnis tritt jedoch nicht in Kraft, wenn ein Inwäldler für die gleiche Tätigkeit infrage kommt.

Allein für den Freiflug zum nächstliegenden Baum bedarf es nun eines formellen Antrags. Einreisende Antragssteller werden bis zur sogenannten „freien Entscheidung“ im Streichelzoo untergebracht, der Argwohn gegenüber Scheinehen zwischen In- und Auswäldlern wächst und die Zaunfabrik produziert immer neue Produkte gegen mögliche Bedrohungen: Zäune für den inneren Frieden, gegen lange Finger, spitze Zungen und zum Schutz vor Überraschungen.

Eines Tages eskaliert der Konflikt. Der Zaun brennt.

Ana Janevas Zeichnungen sind merkwürdig und schön, voller schwarzweißer Amöbenwesen, die sich auf den riesigen Seiten fast verlieren. Detailreich und mit großartigem Witz legt die Autorin die Absurdität von Bürokratie und Ausgrenzung frei.

Mehr von den Zeichnungen gibt es auf Ana Janevas Webseite zu sehen.

Bilder:
Szenen aus „Gagala“, mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Das Buch erscheint in nummerierter Kleinauflage und kann bei Ana Janeva bestellt werden. Preis: 78 Euro + Versand. Einzelne Motive sind als signierte Siebdrucke erhältlich.

„All Creative Work is Derivative“

I could watch this video forever. Such a beautiful illustration of how creativity is always based on inspiration, a continous process of copy and remix.

Made by Nina Paley and uploaded on the „questioncopyright“ channel. However, when it comes to that discussion, I can’t globally take sides. Conditions differ so much for different creative spheres, business models, even individuals.

It’s a big difference whether you need money for a large book project in advance, collectively produce it with editors and designers at a publishing house and then co-depend on sales. Or whether you freelance for a daily newspaper, do most of the work on your own, sell everything under Buy-Out conditions and hardly make a living. Those are just two of the many, many ways the reality of a creative might look like. Music, literature, art, journalism – even within these branches there are so many differences.

I don’t believe that the few successful crowdfunded films or podcasters living on Flattr money prove anything – yet. But one thing is for sure: Things will change, legally and economically. Our perceptions of creativity, originality and copying are already shifting. How fundamental will those changes be? That’s what the ongoing and coming struggles of interests, power, and cultures will decide. I’m really, really curious how this will all look like, ten years from now.

Das Netz als Karte

Reportage für Breitband

Eine jahrhundertealte Kulturtechnik zur Problemlösung ist die Kartografie. Mit Landkarten, Organigrammen oder Mindmaps versuchen wir, die Welt besser zu verstehen und ihre Vielfalt in den Griff zu kriegen. Im digitalen Zeitalter bekommt Kartierung eine ganz neue Dimension. Das Netz als Karte weiterlesen

Zellen bloggen

Die Pflanzen der Prinzessinnengärten ziehen ins Theater, und ich ziehe mit. Also lockert eure Wurzeln und kommt vorbei! Es gibt Guerilla Gardening, Konzerte, Suppe, Kunst, Vorträge und Workshops. Nachzuschauen unter „Programm“ auf dem Zellenblog.

„Zellen. Life Science – Urban Farming“, 11. bis 21. November 2010.

Die stärkste Währung der Welt – Baruch Gottlieb und Mansour Ciss

Das Laboratoire Deberlinisation hat sich aufgemacht, Afrika zu entberlinisieren. Mit der imaginären panafrikanischen Währung „Afro“ wollen die Künstler des Laboratoire auf die Wirkungen der in Berlin 1884/5 entschiedenen Teilung Afrikas aufmerksam machen.

Der Wert ihrer Währung sei hoch, sagt Baruch Gottlieb, in Berlin lebender Kanadier, der mit dem Senegalesen Mansour Ciss das Laboratoire betreibt: „Der Afro ist die stärkste Währung der Welt“. Weil man so eine schwere Währung nicht ständig in der Tasche spazieren führen will, gibt es die Afro Express Card. Die lässt sich bequem übers Netz beantragen. Noch wird die Währung außerhalb des Laboratoires selten akzeptiert. Aber vielleicht trägt sie dazu bei, worauf Baruch Gottlieb und Mansour Ciss fest hoffen: Dass es Afrika eines Tages besser geht.