Kollaborativer Konsum

Über das Internet können wir nicht nur Bits und Bytes, sondern auch ganz reale Dinge teilen: Autos, Bücher, Zimmer oder die Bohrmaschine. “Was meins ist, ist auch deins” fasst Rachel Botsman die Einstellung hinter dem „kollaborativen Konsum“ zusammen. Sie sieht darin den Konsum der Zukunft.

Kann sich die Idee des Ko-Konsums durchsetzen oder scheitert sie an der Realität? Und welche Rolle spielt das Netz? Die Ökonomie des Teilens haben wir uns am Samstag bei Breitband genauer angeschaut: Vera Linß und Marcus Richter sprechen mit dem Umweltökonom Nico Paech über die Bedingungen für eine „Shareconomy“ und das Potenzial neuer Konsumformen. Und wir werfen einen Blick auf Netz-Projekte, die das Tauschen, Teilen und Weitergeben von Dingen vereinfachen wollen.

Das ungeschnittene Interview mit Nico Paech gibt es online in voller Länge zu hören.

Darin zwei spannende Aspekte, die es nicht in die Sendung geschafft haben: Einerseits die Frage, was das Teilen, Tauschen und Weitergeben mit Privatsphäre und dem Gefühl von Individualität macht (bei 9:00 im Mp3) andererseits die nach dem Unterschied zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Projekten (bei 2:30 im Mp3):

Welchen Unterschied macht das, ob Geld fließt oder nicht?

„Wir haben in modernen Ökonomien ein Wachstumsproblem. Und wenn wir glauben, wir könnten die Ökologisierung unserer Wirtschaft dadurch herstellen, dass wir einfach neue Dienstleistungen oder auch neue sogenannte grüne Technologien (…) in Gang setzen, dann übersehen wir, dass das zusätzliche Geld, das damit verdient wird, wiederum zusätzliche Nachfrage generiert, nämlich nach Gütern und Dienstleistungen jeglicher Art, deren Produktion oder Bereitsstellung niemals zum ökologischen Nulltarif zu haben ist. Deshalb sind entkommerzialisierte Formen der neuen Versorgung natürlich unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung oder (…) einer sogenannten Postwachstumsökonomie natürlich klar im Vorteil.“

Das finde ich eine ziemlich rigorose, interessante Haltung: Wenn Anbieter oder Nutzer von Plattformen zum Teilen, Tauschen, Leihen, Verschenken usw. Geld verdienen, dann wird dieses Geld wieder für neuen Konsum eingesetzt und das läuft der Postwachstums-Idee entgegen.

Auf der anderen Seite könnte man auch entgegnen, dass gerade die Möglichkeit, Geld zu verdienen, die Leute möglicherweise motiviert, Sachen zu teilen oder weiterzugeben. Und kommt es beim Geldausgeben nicht auch darauf an, wofür man wieviel ausgibt? Aus Paechs Antwort ergeben sich jedenfalls spannende Fragen zum Weiterdenken.

Octocat im Orcabot

Bram de Vries gibt im Betahaus Workshops zu 3D-Druckern. Am Freitag bin ich vorbeigegangen.

Bram zeigte uns, wie man mit dem schwarz-weißen Drucker „Orcabot“ die kleine Figur einer Octocat ausdrucken kann. Die Datei für das Modell hat jemand auf Thingiverse hochgeladen. Wenn man das ausdruckt, klingt der Drucker etwa so, wie es Axel Ganz für die Jahrgangsgeräusche aufgezeichnet hat.

Was uns Bram über das 3D-Drucken erzählt hat: Dass auch mal Algen und Schokolade in die Patrone kommen, man damit winzigkleine Nano-Modelle drucken kann, und Organe und sogar Fleisch mit 3D-Druckern hergestellt werden soll.

Einige Leute sagen, dass 3D-Drucker alles umkrempeln werden und wir bald jeder einen zuhause stehen haben. Aber dasselbe dachte man auch schon mal von der Mikrowelle, meinte Bram – und heute kochen wir immer noch auf dem Herd und im Backofen. Also mal sehen.

Noch einen Workshop gibt es nächste Woche, am 24., hinten im Betahaus, wo die offene Werkstatt Open Design City gerade umgebaut wird. Und demnächst können Leute, die 800€ investieren wollen, einen ganzen 3D-Drucker mit Bram bauen.

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Link zum Beitrag bei Deutschlandradio Kultur

Das grüne Internet

rostige Windraeder

Mehr und mehr Daten wandern in die Cloud, die Datenwolke. Das digitale Universum expandiert in rasender Geschwindigkeit und frisst immer mehr Ressourcen und Energie. Ist ein „grünes Internet“ vorstellbar, und wenn ja, wie könnte es aussehen? Beitrag nachlesen

Deutschlandradio Kultur | Forschung und Gesellschaft | 3.1.2013 | 19:30 | 29 Min (Audio nicht mehr online verfügbar)

Die Energie für unsere Daten

„Of all the things the Internet was expected to become, it is safe to say that a seed for the proliferation of backup diesel generators was not one of them.“

Die New York Times hat ein Jahr lang recherchiert, wie umweltfreundlich Datencenter eigentlich sind. Hier der Link zum NYTimes-Artikel vom September 2012.

Mehr Links

 A Greener Internet? 

Kamera läuft!

Sehr cooler Film darüber, wie die Digitalisierung die Arbeitsweise im Filmbusiness umgekrempelt hat und das auch weiterhin tut – von und mit Keanu Reeves, der sich für den Film einen extra fleckigen Dokumentarfilmerbart hat stehen lassen und mit sympatisch unsicherer Erzählstimme auf Reise durch die Welt der Formate geht. Die O-Töne liefern unter anderem Martin Scorsese, Danny Boyle und Lars von Trier:

Side by Side Official Trailer (2012) from Company Films on Vimeo.

Szene-Demos

Bisher habe ich ja nie verstanden, worum es dabei geht. Irgendwas mit Protestieren und Steine werfen? Natürlich ist mit der „Demoszene“ was ganz anderes gemeint, es geht um Programme, die audiovisuelle Kompositionen in Echtzeit produzieren. Gestern hab ich einige der Leute, die solche Demos machen, zufällig auf einer Party getroffen, und als sie merkten, dass Interesse da ist, haben sie mir gleich ihre ganzen Lieblingsdemos vorgeführt „Szene-Demos“ weiterlesen

Ironbloggerlese #5812

Rechnungen darf man ja auch bei irgendeiner Zahl beginnen.

Ich wage mal eine steile These: Wenn Ironblogger funktioniert, dann könnte das DAS Geschäftsmodell der Zukunft für die Verlage anstoßen: Autorinnen und Autoren werden jetzt nicht mehr schlecht bezahlt, sondern gar nicht – und mehr noch: Sie zahlen dafür, wenn sie nichts zustande bringen! Man stelle sich vor, wie so etwa die Tageszeitungen finanziert würden, die Radiosender und Wochenmagazine, und wie ungeschriebene Bestseller ganze Häuser über die Runden brächten „Ironbloggerlese #5812“ weiterlesen

EU-Datenschutz, NASA-Code und die Kopimisten

Medien und Meinungen für Breitband

Es gibt Details zum Entwurf der neuen EU-Datenschutz-Verordnung. Die soll es Facebook, Google und Co. schwerer machen, Datenprofile der Nutzer anzufertigen. Nutzer sollen ein Recht auf Kopie und Mitnahme eigener Daten aus sozialen Netzwerken und auf das Löschen persönlicher Daten bekommen. Ob die Grundeinstellung „Privacy by Default“ umgesetzt wird? Ende Januar soll der Entwurf fertig sein. Für die zweite Meldung geht’s ins All.

Die Nasa stellt ihren freien Programmcode zur Verfügung und lädt zum Mitmachen ein. Code.nasa.gov heißt die Webseite, auf der die US-amerikanische Raumfahrt-Behörde ihre freie Software verfügbar machen will. Das ist erstmal noch keine Raketenantriebssoftware. Auf dem NASA-Code-Repositorium bei Git liegen bisher unter anderem eine Android-Wetter-App, die Wetterberichte von anderen Planeten zeigt, und ein Programm zur Betrachtung von 3D-Weltkarten. Vielleicht ist ja bald was dabei, was ins All fliegt.

Die dritte Meldung kommt aus dem Norden. Schweden ist unserer Zeit wieder voraus und soll eine Gruppe Filesharer als religiöse Gemeinschaft anerkannt haben: Die Kirche der Kopimisten. Kopimisten glauben an das Kopieren, halten Daten für heilig und Kopierschutz ist für sie eine Sünde. Im dritten Anlauf soll es der 2010 gegründeten Gruppe gelungen zu sein, als religiöse Gemeinschaft anerkannt zu werden. Das ausschlagende Kriterium für die Behörden: Die Kopimisten halten Kopier- und Remix-Rituale ab. Das klingt wie ein Hoax. Oder sind die Kopimisten wirklich die erste konsequente „Netzgemeinde“?


Mp3-Download

Update 10.1.2012: Das schwedische Kammerkollegiet hat bestätigt, dass die Kopimisten tatsächlich anerkannt wurden.

18.01.2012…und die New York Times hat sich die Kopimisten nochmal genau angeschaut: The First Church of Pirate Bay