Umsicht-Wissenschaftspreis für „Die Entmüllung der Meere“

Juhu, mein Feature über Strategien gegen Plastik im Meer, „Die Entmüllung der Meere“, ist mit dem UMSICHT-Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden! Umsicht-Wissenschaftspreis für „Die Entmüllung der Meere“ weiterlesen

Spurensuche in der Tiefsee

Teile unseres Plastikmülls sammeln sich am Boden der Meere – das haben Forscher schon länger befürchtet. Nun sind sie in Proben aus dem Sediment der Tiefsee tatsächlich fündig geworden. Ich spreche darüber mit Richard Thompson, Mitautor der Studie. Spurensuche in der Tiefsee weiterlesen

Die Tränen der Meerjungfrau

Artikel über Hans van Weenens Funde in Het Vrije Volk 1 März 1975 640px
Hans van Weenen ist Anfang Zwanzig, als er am Strand seines holländischen Heimatorts Castricum kleine weiße Kügelchen aufliest: Plastik-Pellets für die Produktion, auf dem Weg in die Fabrik verloren gegangen. Es sind die Siebziger, die Lokalzeitung bringt einen langen Artikel. Doch die Zeit ist noch nicht reif. Bis die internationale Presse über Müllwirbel aus Plastik in den Ozeanen berichtet, vergehen drei Jahrzehnte. Im vierten beginnt Boyan Slat, ein junger Erfinder aus Delft, an einer Konstruktion zu werkeln, die die Meereswirbel reinigen soll. Doch Hans van Weenen ist sich sicher: Es braucht andere Lösungen. Beitrag nachlesen

Deutschlandradio Kultur | Zeitfragen | 19.8.2014 | 29 Min.

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Der Müllmann der Meere?

Boyan Slat ist 18 Jahre alt, als er im Oktober 2012 auf die Bühne tritt. Schlaksig steht er in der Aula der Technischen Universität Delft, ein bisschen nervös und die langen braunen Haare tief im Gesicht. In fließendem Englisch präsentiert der junge Niederländer auf der TEDxDelft-Konferenz seine Idee: Eine Plattform, die den pazifischen Ozean vom Plastikmüll befreien soll.

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Callum Roberts über uns und das Meer

In „Der Mensch und das Meer“ erzählt der Meeresbiologe Callum Roberts von den großen Umwälzungen, die wir Menschen dem Meer gebracht haben. Von den persönlichen Beobachtungen, die der Wissenschaftler in Korallenriffen in aller Welt macht, über den historischen Abriss von viereinhalb Milliarden Jahren Erdgeschichte Callum Roberts über uns und das Meer weiterlesen

Plastik am Nordseestrand

Die Bewohner der Nordseeinsel Juist räumen seit Jahren das Plastik vom Strand. Zusammen mit Umweltschützern will der Bürgermeister die Inselumwelt vom Müllgut befreien. Nur was kann eine kleine Insel gegen das Treibgut aus dem Meer unternehmen? Vor allem, wenn er immer kleiner und kleiner und kleiner wird…

Dienstag, 14. Mai, 13:07 im Länderreport auf Deutschlandradio Kultur
Manuskript (Wiederholung)

Strategien gegen den Müll im Meer

Bei einer Fachtagung in Berlin diskutieren Wissenschaftler über das Plastikproblem der Meere und mögliche Lösungsansätze. Junge Forscher haben bereits einige visionäre Ideen entwickelt. Boyan Slat zum Beispiel träumt von fest am Meeresboden verankerten Plattformen, die das vorbeiströmende Wasser des pazifischen Müllstrudels von Plastik befreien. Ein weiteres Konzept: Drohnen mit Netzen, die das Plastik aus dem Wasser fischen. Manche hoffen auch auf Bio-Plastik. Doch die beste Lösung ist wohl banaler: Müll vermeiden und recyclen.

Gespräch bei DRadio wissen Natur

Schadstoff Kunststoff?

Abfall aus Kunststoff richtet in den Weltmeeren große Schäden an. Auf der ersten europäischen Konferenz zur Eindämmung und Vermeidung von Meeresmüll in Berlin diskutieren Experten aus Forschung, Politik, Umweltschutz und Industrie, was zu tun ist Schadstoff Kunststoff? weiterlesen

Die Entmüllung der Meere

gunnar

Die Produktion steigt, Jahr für Jahr gelangt mehr Plastikmüll in Flüsse, Seen und Ozeane. An Ideen, was man dagegen tun kann, mangelt es nicht: Vom biologischen Abbau über Plattformen zur Reinigung der Meere bis zu Müllfischen und Recycling reichen die Vorschläge. Doch welche der Strategien funktionieren? Beitrag nachlesen

Deutschlandfunk | Wissenschaft im Brennpunkt | 7.4.2013 | 27 Min

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Manche Zahlen sind wie Plastik

Manche Zahlen sind wie Plastik: Leicht, praktisch und ewig haltbar. Zum Beispiel diese: Über 6,4 Millionen Tonnen Abfall landen jährlich in den Weltmeeren. Das ist eine Angabe aus den 70ern, die bis heute recycelt wird, wenn es um Plastikmüll im Meer geht.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP datiert die Schätzung auf 1997. Doch die eigentliche Quelle ist mehr als doppelt so alt, wie die Expertengruppe GESAMP in ihrem Bericht 2010 schreibt:

“Our knowledge of the possible quantity of marine litter entering the seas and oceans still relies too heavily on estimates such as the US National Academy of Sciences (1975) value of 6.4 million metric tonnes of marine litter per year.”

Die Quelle findet man bei Google Books: Im Bericht „Assessing Potential Ocean Pollutants“ der National Academy of Sciences von 1975 schätzten die Autoren, dass rund 6,4 x 106 Tonnen Abfall („Marine Litter“) von Schiffen und Plattformen aus im Meer landen. Die GESAMP schreibt dazu:

„This number is compiled exclusively from maritime sources, i.e. “litter generated in the oceans”, such as by shipping, fishing and the military transport and does not include land-based sources.“

Das heißt, die Angabe beschreibt gar nicht, was wir messen müssten, um eine echte Vorstellung von den Abfallmengen im Meer – oder noch spezieller, Mengen an Kunststoffmüll – zu bekommen. Sie schätzt nur den Müll aus etwa Plastik, Papier, Glass, Metall oder Holz, der auf dem Ozean ins Wasser gelangte – nicht den Müll vom Land.

“While the NAS (1975) study estimated then-legal dumping of waste from ocean vessels, an accurate, current estimate of debris entering the oceans would need to measure debris entering from rivers, storm sewers, beach litter, illegal dumping at sea, and many other avenues.”

kommentiert die US-Umweltbehörde NOAA.

Die Daten, die für die Schätzung verwendet werden, sind aus den frühen 70er und späteren 60er Jahren.

Seit 1975 hat sich viel verändert. So ist das Ablassen von Plastik ins Meer seit 1988 durch den Annex V des MARPOL-Abkommen reguliert. Allerdings gehen Viele davon aus, dass das nicht wirklich wirksam war. Heute wird außerdem angenommen, dass ein Großteil des Kunststoffs vom Land und nicht über Schiffe ins Meer gelangt, mit regionalen Abweichungen.

„Can anyone dispute the Plastic Age when two years of plastic production equals the weight of every man, woman, and child on earth?“

fragt der Segler Charles Moore in seinem Buch Plastic Ocean (2011). Angenommen, jeder der sieben Milliarden Menschen hätte im vorletzten Jahr 54 Kilo gewogen: Dann haben wir in einem Jahr mehr Plastik hergestellt, als die halbe Menschheit wiegt.

54 x 7 Mrd = 378 Mrd Tonnen
Produktion 2011 = 280 Mrd Tonnen

Die Kunststoff-Industrie schätzt, dass allein im Jahr 2011 weltweit etwa 280 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert wurden. 1976 – ein Jahr nach der Publikation der National-Academy-Schätzung – waren es noch sechsmal weniger.

Wenn man jetzt wissen möchte, wieviel Abfall – und speziell wieviel Kunststoffmüll – jedes Jahr in die Meere und Ozeane gelangt: Müsste man also die 6,4 Millionen Tonnen mit dem Faktor Sechs multiplizieren, um die erhöhte Plastikproduktion zu berücksichtigen? Sollte man das dann nochmal mit einem weiteren Faktor multiplizieren, um hinein zu rechnen, dass der Anteil des Mülls vom Land vermutlich höher ist, als der von Schiffen (es ist von einem Verhältnis 80 Land: 20 Meer die Rede)?

Schwierig. In der NAS-Studie ging es nicht nur um Plastik, sondern auch andere Materialien. Man kann weder davon ausgehen, dass der Anteil an Kunststoff im Meeresmüll immer konstant war, noch dass der Eintrag an Müll in die Meere immer gleich blieb. Außerdem gab es eine positive Entwicklung, die man nicht vergessen sollte: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stiegen die Recyclingraten. Aber wie viel konnten sie auffangen?

Die Rechnung wird also relativ kompliziert. Dass aber 6,4 Millionen Tonnen Abfall jährlich von Schiffen in die Meere gelangen, ist eine historische Aussage. Sie sagt nichts darüber aus, was heute an Abfall oder speziell Plastik in die Ozeane gelangt – und ist vermutlich älter als das meiste Plastik, das durch die Meere schwimmt.

Kürzlich schrieb die englische Ausgabe von Spiegel Online sogar von 64 Millionen Tonnen Abfall, die pro Jahr ins Meer gelangen. Das wurde bei ABC News zweitverwertet und machte in sozialen Netzwerken die Runde. Vermutlich fehlte nur das Komma.

Links
– GESAMP 2010 Bericht (PDF, Zitat von oben auf S.15)
– NAS 1975 Assessing Potential Ocean Pollutants Marine Litter, S. 405-431. Wenn man nach Table 8-4 geht, sind „gross tons“ gemeint, was dann etwas mehr ist, etwa 6,5 Millionen metrische Tonnen.

Auf’m Kudder

Um vier aus dem Bett, um fünf aus dem Hafen. 14 Stunden auf See. Rausfahren, rumliegen, quatschen, sich ausfragen. Nach Sonnenaufgang die schwere Winde anschmeißen und das Netz ins Meer lassen.

Fünf Stunden warten, schlafen, quatschen, den Funk hören. Schiffe gucken durchs Fernglas. Muffins von der Schwiegermutter. Müßiggang, bis das Netz voll ist.

Die Winde andersrum drehen, das Netz an Bord hieven, Fischausnehmen im Akkord – Kabeljau und Plattfische, Hunderte von Kilo, zack, zack, zack.

Eine Tonne Fisch, den Rest kriegen die Möwen. Knochenarbeit.

Der zweite Hol: Netz hoch, Fische raus, Wasser rein, ein Keschervoll ausnehmen, in die Körbe pfeffern, mit dem Schlauch abspülen, nächster Kescher. Alles in die Plastikkisten, fertig fürs Lager.

Der Kutter macht kehrt, es wird dunkel. Um sieben im Hafen, nur noch ausladen, dann ist der Tag vorbei.

Landkrank schwankend nach Hause. Um vier aus dem Bett, um fünf aus dem Hafen. Ich schlafe durch.

Kippen, Deckel, Plastiktüten

Zwei Filmtipps und eine Ausstellung: Zu den Folgen unserer Wegwerfgesellschaft solltet ihr euch unbedingt die Arte-Doku „Plastik: Der Fluch der Meere“ ansehen.

Die Autoren haben weltweit Forscherinnen und Forscher besucht, die untersuchen, wie sich Kunststoff auf das Meer und seine Lebewesen auswirkt. Mit der Besatzung von 5 Gyres sind sie durch den südlichen Pazifik gesegelt, um Hinweise zu sammeln, dass sich auch hier Müll in Meeresströmungen weitab vom Land fängt.

Im südlichen Atlantik scheint es nicht besser auszusehen. Michael Lutman hat die 5 Gyres Crew von Brasilien nach Kapstadt begleitet und das in seinem Film „Plasticized“ verarbeitet – ebenfalls sehr sehenswert.

In Hamburg läuft gerade die Ausstellung „Endstation Meer?“ die zum Plastic Garbage Project gehört – zu sehen noch bis Ende März. Da wird gezeigt, was bei Sammelaktionen am Strand zusammen kommt. Was, schätzt ihr, ist der Top-Fund? Tatsächlich sind es Zigarettenfilter noch vor Plastikdeckeln, Flaschen und Tüten. Wer hätte das gedacht?

Zum Arte-Film gibt es noch ein Online-Spezial.

Seeigel Nimmersatt



Das Meer vor den Kanarischen Inseln ist ein Paradis, nicht nur für Touristen. Auch der Diademseeigel fühlt sich hier wohl – so wohl, dass er die Artenvielfalt der Steinböden bedroht. Zu fürchten hat er wenig, denn seine Feinde landen auf den Tellern der Touristen und in den Fängen der Sportfischer.

Da liegt der Plan nicht weit, den gefräßigen Stachelhäuter selbst zur Delikatesse zu machen und so Geld in die krisengebeutelten Kassen der Fischer und Restaurants spülen. Doch Meeresbiologen von der Universität La Laguna auf Teneriffa sind skeptisch. Ihre Forschungen haben ergeben, dass der Plan vom Umweltproblem zur Delikatesse nicht aufgeht. Die Wissenschaftler fordern eine nachhaltigere Fischerei und den Aufbau von Meeresschutzzonen. Seeigel Nimmersatt weiterlesen