Kippen, Deckel, Plastiktüten

Zwei Filmtipps und eine Ausstellung: Zu den Folgen unserer Wegwerfgesellschaft solltet ihr euch unbedingt die Arte-Doku „Plastik: Der Fluch der Meere“ ansehen.

Die Autoren haben weltweit Forscherinnen und Forscher besucht, die untersuchen, wie sich Kunststoff auf das Meer und seine Lebewesen auswirkt. Mit der Besatzung von 5 Gyres sind sie durch den südlichen Pazifik gesegelt, um Hinweise zu sammeln, dass sich auch hier Müll in Meeresströmungen weitab vom Land fängt.

Im südlichen Atlantik scheint es nicht besser auszusehen. Michael Lutman hat die 5 Gyres Crew von Brasilien nach Kapstadt begleitet und das in seinem Film „Plasticized“ verarbeitet – ebenfalls sehr sehenswert.

In Hamburg läuft gerade die Ausstellung „Endstation Meer?“ die zum Plastic Garbage Project gehört – zu sehen noch bis Ende März. Da wird gezeigt, was bei Sammelaktionen am Strand zusammen kommt. Was, schätzt ihr, ist der Top-Fund? Tatsächlich sind es Zigarettenfilter noch vor Plastikdeckeln, Flaschen und Tüten. Wer hätte das gedacht?

Zum Arte-Film gibt es noch ein Online-Spezial.

Das Meer vermüllt

Wieviel Plastik schwimmt im Meer und welchen Einfluss hat das auf marine Ökosysteme? Wie stehen die Chancen, den Kunststoff wieder aus dem Meer zu bekommen? Für die ZEIT 51/2012 habe ich einen Artikel dazu geschrieben. Online kann man ihn auf Zeit Online lesen und kommentieren.

Polymeer

Das Jahr 2043. Holland versinkt unter dem gestiegenen Meeresspiegel. Zwischen Treibgut und Wellen wird auch der Utrechter Chemiker Nero van Dijk ins Meer gerissen. Auf einem pinken Möbelstück treibt er einsam übers Meer, bis er Land entdeckt. Nein, kein Land, sondern Plastik – ein schwimmender Teppich aus Müll, aus dem bald der rettende neue Kontinent für Menschen aus aller Welt entstehen wird. Wie? Mit einer unglaublichen neuen Erfindung.

Eine „apokalyptische Utopie“ hat Alexandra Klobouk für ihr Bilderbuch „Polymeer“ gezeichnet. Sie erzählt vom Alptraum des vermüllten Meers und vom Traum, aus dem Abfall der Welt etwas Neues zu gestalten. Klobouk hat ihre Bildergeschichte material- und meergerecht plastisch, bunt und wild in Szene gesetzt, mit großzügigen Zeichnungen, Karten und Bezug auf Bilder, die wir aus den Medien kennen, wie der Schildkröte mit der Wespentaille, die in einen Plastikring eingewachsen ist.

Die Hoffnung, dass wir Menschen die magische Maschine entwickeln, mit der wir das Plastik wieder in den Griff kriegen, klingt naiv. Tatsächlich gibt es ernsthafte Projekte in diese Richtung. So versucht das US-amerikanische Projekt Kaisei solche Lösungen zu entwickeln. Nachgedacht wird etwa über künstliche Strände, an denen kleine Plastikpartikel, aber nicht Plankton hängen bleibt. Viele Experten halten solche Versuche aber für aussichtslos. Das sei, wie CO2 mit einem Staubsauger aus der Atmosphäre saugen zu wollen.

Ein richtiges Happy End gibt es auch in „Polymeer“ nicht. Plastik ist eben nicht das einzige Problem in Klobouks apokalyptischer Welt.

Im Abspann, einer Tafel über die realen Hintergründe, stellt Klobouk fest: „Es ist praktisch unmöglich den Müll aus dem Pazifik herauszufischen“. Auch das missverständliche Bild eines auf der Oberfläche schwimmenden Teppichs aus Plastik wird hier gerade gerückt.

Dazu zitiert Klobouk Informationen aus den Medien. Nur sind viele Angaben, die derzeit kursieren, unsicher: veraltet, spekulativ, wissenschaftlich nicht belegt. Solche Zahlen beeindrucken zwar. Sie erwecken aber auch die Illusion, dass wir das Problem zumindest intellektuell schon irgendwie im Griff haben.

Die Aufmerksamkeit für dieses neue Umweltproblem ist mittlerweile da. Vielleicht auch, weil die Geschichte vom Plastik mitten im weiten Ozean, weitab der Zivilisation, die Fantasie anregt, wie ein Gleichnis ist für die unbeabsichtigten Folgen unserer Wegwerfgesellschaft. Die Müllwirbel da draußen sind beängstigend und faszinierend zugleich. Das zeigt auch Alexandra Klobouks wunderschön gezeichnete Dystopie.

Alexandra-Klobouk
POLYMEER
eine apokalyptische Utopie
Onkel & Onkel Verlag, 2012

 

>> Three Ways of Looking at the Great Pacific Garbage Patch
>> Plastikmüll im Meer: Zahlen und Größen im Vergleich

Plastik im Meer


DRadio Wissen hat gestern einen Plastiktag gemacht, zu Geschichte, Chemie, Design und Umwelt. Ich habe einen Beitrag zu Plastik im Meer beigesteuert.

Hier geht’s zur Mp3, alle Beiträge des Thementags „Kunststoff, aus dem die Träume sind“ mit der Kunsthistorikerin Uta Scholten, Chemiker Peter Lieberzeit, dem Industrie-Design Professor Peter Naumann und Sandra Krautwaschl, die versucht, mit möglichst wenig Kunststoff zu leben, stehen hier.

Mit dem Thema hat sich auch die Redaktionskonferenz beschäftigt: „Plastikfreie Zone„.

Plastik im Meer: Wissenschaftliche Studien

Das hier ist eine kleine angefangene Sammlung wissenschaftlicher Studien und Quellen zum Thema Plastikmüll im Meer. Nach der Quellenangabe habe ich Thema und Inhalt kurz versucht, zusammen zu fassen – für genauere Angaben einfach auf den Link klicken und selbst nachlesen (in den meisten Fällen führt der Link zu Google Scholar, die Quelle müsste dann der erste Treffer sein) „Plastik im Meer: Wissenschaftliche Studien“ weiterlesen

Plastikmüll: Blogs

Das hier ist eine Linkliste, in der ich Blogs zum Thema Plastikmüll im Meer und anderswo sammele. Ich lese da selbst noch hinein, und insofern sind das in dem Sinne keine Empfehlungen, sondern erstmal eine Reihe von Seiten zum Thema. Wer noch weitere Seiten kennt, oder etwas zu denen hier zu sagen hat – ich freue mich wie immer über Links und Kommentare. „Plastikmüll: Blogs“ weiterlesen

Plastik im Meer: Zahlen und Größen nach Meeresregion

Zum Thema Plastik in den Ozeanen findet man in den Medien teilweise sehr unterschiedliche Zahlen und Angaben. Das hier ist eine Zusammenstellung verschiedener Schätzungen aus dem Netz. Über den Link auf Medium/Monat/Jahr geht es zum Original-Artikel, sofern der noch im Netz verfügbar ist. Die Zahlen und Angaben beruhen nicht auf eigener Recherche und sollen nur einen Überblick darüber geben, wo welche Größen zitiert werden. „Plastik im Meer: Zahlen und Größen nach Meeresregion“ weiterlesen

Plastikmüll im Meer: Zahlen und Größen im Vergleich

Zum Thema Plastik in den Ozeanen finden sich in den Medien eine Menge verschiedener Zahlen. Das ist mein Notizzettel, um verschiedene Schätzungen und Infos aus dem Netz zu vergleichen.

In diesem Post geht es um Angaben, die sich auf die Weltmeere insgesamt beziehen. Im nächsten Post vergleiche ich die, die zu bestimmten Teilen des Meers zu finden sind.

Diese Liste verändert sich immer mal wieder. Mit Klick auf die roten Wörter gelangt man zur Quelle. Über Hinweise auf Fehler oder fehlende Infos freue ich mich. Letzte Änderung: 12.12.2014

„Plastikmüll im Meer: Zahlen und Größen im Vergleich“ weiterlesen

Plastikmüll im Meer: Häufige Fragen

Die Wissenschaft steht bei der Erforschung des Plastiks im Meer noch ganz am Anfang. Gleichzeitig versuchen Umweltschützer auf das Problem aufmerksam zu machen und Medien das bisherige Wissen zu fassen. Welche Antworten sie auf einige der grundlegenden Fragen im Laufe der letzten Jahre geben und zitieren, sammele ich hier zum Vergleich. Das ist mein Notizblog, der das Ergebnis reiner Netzrecherche ist, also nicht unbedingt wissenschaftlich fundiert. Die Quellen finden sich mit Jahreszahl verlinkt hinter jeder Angabe. Bei einigen davon – die meisten davon Schätzungen – bleibt unklar, was die ursprüngliche Quelle ist. Manche weichen voneinander ab oder widersprechen sich. Wo ich wissenschaftliche Angaben finden konnte, habe ich sie als Zitat dazu gestellt. Soweit ich dazu komme, ergänze ich die Infos – Hinweise dazu sind immer willkommen! Letztes Update: 28.02.2012 „Plastikmüll im Meer: Häufige Fragen“ weiterlesen