Ozonforschung: „Damit haben wir eine Katastrophe vermieden“

Vor 30 Jahren, am 23. August 1986, schickten die USA ein Forscherteam unter der Leitung von Susan Solomon in die Antarktis, um dem Rätsel der abnehmenden Ozonschicht auf den Grund zu gehen. Sie fanden heraus, dass das Ozonloch tatsächlich durch die menschliche Verwendung von FCKW entstanden sein musste – nicht durch die Sonne oder andere meteorologische Umstände. Beitrag nachlesen

Deutschlandfunk | Forschung aktuell | 23. August 2016 | 6 Min.

Foto: Susan Solomon 2004 (Foto: NOAA, Public Domain)

Abgehoben

abhebenSeit jeher träumen die Menschen vom Fliegen, besonders die Bewohner der Industrieländer genießen heute die Vorteile des weltweiten Luftverkehrs. Die Branche wächst und wächst, die Zahl der Passagiere und Länge der Strecken steigt. So gelangen Fluggäste von A nach B, aber auch Kohlendioxid, Stickoxide und Wasserdampf in die Atmosphäre. In zunehmendem Maße trägt das zum Klimawandel bei. Wie lässt sich der Konflikt zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Umweltschutz lösen?

„Abgehoben“: Ein dreiteiliges Feature über den Traum vom Fliegen mit Gerhard Richter und Moritz von Rappard (Regie) im Deutschlandradio Kultur | Zeitfragen

Teil 1: Die Flugmeile und ihr Preis
Von Anja Krieger und Gerhard Richter | 6.1.2015 | 19:30
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Teil 2: Wie der Mensch die Vögel überflügelte
Von Gerhard Richter | 7.1.2015 | 19:30
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Teil 3: Der Traum vom grünen Fliegen
Von Anja Krieger | 8.1.2015 | 19:30
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Bild: Am Flughafen von Samos, 1981

Der Fußabdruck unserer Gadgets

Wieso landen unsere Geräte so schnell auf dem Müll und in der Schublade, wenn ihre soziale und ökologische Bilanz so verheerend ist – und wie ändern wir das? Im Breitband-Talk diskutiert Philip Banse mit drei Gästen. Der Fußabdruck unserer Gadgets weiterlesen

PIK-Meteorologe Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe über Extremwetter und Klimawandel

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), über den aktuellen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) „Status of Climate in 2013“

„Wesentlich an dem Report ist, dass er einen Überblick gibt über die Geschehnisse des Jahres 2013 im Hinblick auf die meteorologischen Ereignisse, insbesondere auch die Extremereignisse. Da gab es ja im Verlauf der letzten Monate einige – wir brauchen bloß an Haiyan zu denken auf den Philippinen und das Elbe-Hochwasser in unserer Region: Diese Häufung von Extremereignissen und das, was sonst passiert – ob das die Arktis ist, die Antarktis oder die einzelnen Regionen weltweit, ist natürlich ein deutliches Indiz dafür, dass Klimaänderungen bereits stattfinden. Es wird häufig gesagt, dass der Klimawandel erst anfängt – aber wir sind mittendrin. Was auch wichtig ist: Dass man an einem einzelnen Extremereignis natürlich nicht den Klimawandel festmachen kann – aber an der Summe dessen, was wir erleben.“

Über den Zusammenhang zwischen Extremwetter-Ereignissen und Klimawandel:

„Wenn wir uns das zum Beispiel an den tropischen Wirbelstürmen klarmachen wollen, dann sieht man, dass die zwar nicht häufiger geworden sind, aber dass die Intensität der Stürme deutlich zugenommen hat. Für die Region des Pazifiks, für die Philippinen, kann man das sehr schön nachweisen, dass die Intensität der Taifune dort in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Die Ursache dafür ist einfach, dass sich die Meeres- beziehungsweise Wassertemperatur deutlich erhöht hat, während sich die Stratosphäre abgekühlt hat – so dass sich der Temperatur-Gegensatz verstärkt hat in der Höhe und dadurch ein noch intensiverer Austausch von Energie stattfinden kann. Das führt dann einfach dazu, dass solche Taifune an Intensität, an Stärke zunehmen.“

Text: CC-BY Anja Krieger/Climate News Mosaic (CNM)

Mikroplastik in jeder Muschel

juister strand

Toncollage: Stimmen aus dem Feature

Auf der niedersächsischen Nordseeinsel Juist setzen sich Einwohner, Politiker und Umweltschützer gegen verschmutzte Strände ein. Vor allem Plastik wird zunehmend angetrieben. Jedes Jahr kurz vor Beginn der Saison wird der Strand aufgeräumt. Und dabei fallen den Insulanern so einige Geschichten ein – wie die von den weißen Turnschuhen, die einst die Insel überschwemmten. Beitrag nachlesen

Deutschlandradio Kultur | Länderreport | 14.05.2013 / 13.11.2013 (Wdhlg.) | 17 Min (Audio nicht mehr online)

Ich saß im Baum und wollte fliegen

„Meine Strichmännchen mit vier Jahren sahen mehr aus wie Vögel als Menschen, und das ist seitdem nicht besser geworden.“ So erinnert sich Lars Jonsson an den Beginn seiner Leidenschaft für die Vogelmalerei. Heute kommt kein Ornithologe Europas an dem schwedischen Künstler vorbei, der mit fünfzehn Jahren seine erste Ausstellung im Museum für Naturgeschichte in Stockholm hatte.

Auf Reise hat Jonsson Hunderte von Vögeln beobachtet, gezeichnet und ihre Eigenheiten in Federkleid, Flug und Ausdruck herausgearbeitet. Seine ausdrucksstarken Bilder dienen vielen Vogelfans zur Bestimmung, Naturführer wie „Die Vögel Europas“ gehören zu den Standardwerken.

Von der seltenen Schneeeule bis zum winzigen Wintergoldhähnchen: Es gibt kaum einen Vogel, den Jonsson nicht portraitiert hat. Doch der 1952 geborene Schwede ist auf dem Boden geblieben. Auf der Insel Gotland lebt er ein beschauliches Leben mit seiner Familie und dem Hund, kocht wochenends für die Gäste in seinem Museum und wird nicht müde, die Bewohner der Lüfte auf Papier einzufangen.

Deutschlandradio Kultur Profile

Callum Roberts über uns und das Meer

In „Der Mensch und das Meer“ erzählt der Meeresbiologe Callum Roberts von den großen Umwälzungen, die wir Menschen dem Meer gebracht haben. Von den persönlichen Beobachtungen, die der Wissenschaftler in Korallenriffen in aller Welt macht, über den historischen Abriss von viereinhalb Milliarden Jahren Erdgeschichte Callum Roberts über uns und das Meer weiterlesen

Plastik am Nordseestrand

Die Bewohner der Nordseeinsel Juist räumen seit Jahren das Plastik vom Strand. Zusammen mit Umweltschützern will der Bürgermeister die Inselumwelt vom Müllgut befreien. Nur was kann eine kleine Insel gegen das Treibgut aus dem Meer unternehmen? Vor allem, wenn er immer kleiner und kleiner und kleiner wird…

Dienstag, 14. Mai, 13:07 im Länderreport auf Deutschlandradio Kultur
Manuskript (Wiederholung)

Strategien gegen den Müll im Meer

Bei einer Fachtagung in Berlin diskutieren Wissenschaftler über das Plastikproblem der Meere und mögliche Lösungsansätze. Junge Forscher haben bereits einige visionäre Ideen entwickelt. Boyan Slat zum Beispiel träumt von fest am Meeresboden verankerten Plattformen, die das vorbeiströmende Wasser des pazifischen Müllstrudels von Plastik befreien. Ein weiteres Konzept: Drohnen mit Netzen, die das Plastik aus dem Wasser fischen. Manche hoffen auch auf Bio-Plastik. Doch die beste Lösung ist wohl banaler: Müll vermeiden und recyclen.

Gespräch bei DRadio wissen Natur

Schadstoff Kunststoff?

Abfall aus Kunststoff richtet in den Weltmeeren große Schäden an. Auf der ersten europäischen Konferenz zur Eindämmung und Vermeidung von Meeresmüll in Berlin diskutieren Experten aus Forschung, Politik, Umweltschutz und Industrie, was zu tun ist Schadstoff Kunststoff? weiterlesen

Manche Zahlen sind wie Plastik

Manche Zahlen sind wie Plastik: Leicht, praktisch und ewig haltbar. Zum Beispiel diese: Über 6,4 Millionen Tonnen Abfall landen jährlich in den Weltmeeren. Das ist eine Angabe aus den 70ern, die bis heute recycelt wird, wenn es um Plastikmüll im Meer geht.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP datiert die Schätzung auf 1997. Doch die eigentliche Quelle ist mehr als doppelt so alt, wie die Expertengruppe GESAMP in ihrem Bericht 2010 schreibt:

“Our knowledge of the possible quantity of marine litter entering the seas and oceans still relies too heavily on estimates such as the US National Academy of Sciences (1975) value of 6.4 million metric tonnes of marine litter per year.”

Die Quelle findet man bei Google Books: Im Bericht „Assessing Potential Ocean Pollutants“ der National Academy of Sciences von 1975 schätzten die Autoren, dass rund 6,4 x 106 Tonnen Abfall („Marine Litter“) von Schiffen und Plattformen aus im Meer landen. Die GESAMP schreibt dazu:

„This number is compiled exclusively from maritime sources, i.e. “litter generated in the oceans”, such as by shipping, fishing and the military transport and does not include land-based sources.“

Das heißt, die Angabe beschreibt gar nicht, was wir messen müssten, um eine echte Vorstellung von den Abfallmengen im Meer – oder noch spezieller, Mengen an Kunststoffmüll – zu bekommen. Sie schätzt nur den Müll aus etwa Plastik, Papier, Glass, Metall oder Holz, der auf dem Ozean ins Wasser gelangte – nicht den Müll vom Land.

“While the NAS (1975) study estimated then-legal dumping of waste from ocean vessels, an accurate, current estimate of debris entering the oceans would need to measure debris entering from rivers, storm sewers, beach litter, illegal dumping at sea, and many other avenues.”

kommentiert die US-Umweltbehörde NOAA.

Die Daten, die für die Schätzung verwendet werden, sind aus den frühen 70er und späteren 60er Jahren.

Seit 1975 hat sich viel verändert. So ist das Ablassen von Plastik ins Meer seit 1988 durch den Annex V des MARPOL-Abkommen reguliert. Allerdings gehen Viele davon aus, dass das nicht wirklich wirksam war. Heute wird außerdem angenommen, dass ein Großteil des Kunststoffs vom Land und nicht über Schiffe ins Meer gelangt, mit regionalen Abweichungen.

„Can anyone dispute the Plastic Age when two years of plastic production equals the weight of every man, woman, and child on earth?“

fragt der Segler Charles Moore in seinem Buch Plastic Ocean (2011). Angenommen, jeder der sieben Milliarden Menschen hätte im vorletzten Jahr 54 Kilo gewogen: Dann haben wir in einem Jahr mehr Plastik hergestellt, als die halbe Menschheit wiegt.

54 x 7 Mrd = 378 Mrd Tonnen
Produktion 2011 = 280 Mrd Tonnen

Die Kunststoff-Industrie schätzt, dass allein im Jahr 2011 weltweit etwa 280 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert wurden. 1976 – ein Jahr nach der Publikation der National-Academy-Schätzung – waren es noch sechsmal weniger.

Wenn man jetzt wissen möchte, wieviel Abfall – und speziell wieviel Kunststoffmüll – jedes Jahr in die Meere und Ozeane gelangt: Müsste man also die 6,4 Millionen Tonnen mit dem Faktor Sechs multiplizieren, um die erhöhte Plastikproduktion zu berücksichtigen? Sollte man das dann nochmal mit einem weiteren Faktor multiplizieren, um hinein zu rechnen, dass der Anteil des Mülls vom Land vermutlich höher ist, als der von Schiffen (es ist von einem Verhältnis 80 Land: 20 Meer die Rede)?

Schwierig. In der NAS-Studie ging es nicht nur um Plastik, sondern auch andere Materialien. Man kann weder davon ausgehen, dass der Anteil an Kunststoff im Meeresmüll immer konstant war, noch dass der Eintrag an Müll in die Meere immer gleich blieb. Außerdem gab es eine positive Entwicklung, die man nicht vergessen sollte: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stiegen die Recyclingraten. Aber wie viel konnten sie auffangen?

Die Rechnung wird also relativ kompliziert. Dass aber 6,4 Millionen Tonnen Abfall jährlich von Schiffen in die Meere gelangen, ist eine historische Aussage. Sie sagt nichts darüber aus, was heute an Abfall oder speziell Plastik in die Ozeane gelangt – und ist vermutlich älter als das meiste Plastik, das durch die Meere schwimmt.

Kürzlich schrieb die englische Ausgabe von Spiegel Online sogar von 64 Millionen Tonnen Abfall, die pro Jahr ins Meer gelangen. Das wurde bei ABC News zweitverwertet und machte in sozialen Netzwerken die Runde. Vermutlich fehlte nur das Komma.

Links
– GESAMP 2010 Bericht (PDF, Zitat von oben auf S.15)
– NAS 1975 Assessing Potential Ocean Pollutants Marine Litter, S. 405-431. Wenn man nach Table 8-4 geht, sind „gross tons“ gemeint, was dann etwas mehr ist, etwa 6,5 Millionen metrische Tonnen.