Deins oder meins? Egal!

Es gibt einen Trend vom Besitzen zum Nutzen, meinen die Organisatoren der CeBIT, die vom 5. bis 9. März in Hannover stattfand. Die IT-Messe hat in diesem Jahr die sogenannte „Shareconomy“ zum Leitthema erklärt, die Ökonomie des Teilens. Dabei geht es nicht nur um das Teilen von Wissen, sondern auch um Gebrauchsgüter. Carsharing, Bookcrossing oder Kleidertausch-Partys schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch Ressourcen und die Umwelt. Vor allem Internet und Smartphones helfen, neue Ideen und Geschäftsmodelle zu verwirklichen. Welche Vorteile hat das Teilen – und wo sind die Grenzen?

Zum Wochenthema bei Umwelt im Unterricht gibt es Materialien zum Thema.
Ich habe den Hintergrundtext geschrieben: „Vom Haben zum Teilen

Kollaborativer Konsum

Über das Internet können wir nicht nur Bits und Bytes, sondern auch ganz reale Dinge teilen: Autos, Bücher, Zimmer oder die Bohrmaschine. “Was meins ist, ist auch deins” fasst Rachel Botsman die Einstellung hinter dem „kollaborativen Konsum“ zusammen. Sie sieht darin den Konsum der Zukunft.

Kann sich die Idee des Ko-Konsums durchsetzen oder scheitert sie an der Realität? Und welche Rolle spielt das Netz? Die Ökonomie des Teilens haben wir uns am Samstag bei Breitband genauer angeschaut: Vera Linß und Marcus Richter sprechen mit dem Umweltökonom Nico Paech über die Bedingungen für eine „Shareconomy“ und das Potenzial neuer Konsumformen. Und wir werfen einen Blick auf Netz-Projekte, die das Tauschen, Teilen und Weitergeben von Dingen vereinfachen wollen.

Das ungeschnittene Interview mit Nico Paech gibt es online in voller Länge zu hören.

Darin zwei spannende Aspekte, die es nicht in die Sendung geschafft haben: Einerseits die Frage, was das Teilen, Tauschen und Weitergeben mit Privatsphäre und dem Gefühl von Individualität macht (bei 9:00 im Mp3) andererseits die nach dem Unterschied zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Projekten (bei 2:30 im Mp3):

Welchen Unterschied macht das, ob Geld fließt oder nicht?

„Wir haben in modernen Ökonomien ein Wachstumsproblem. Und wenn wir glauben, wir könnten die Ökologisierung unserer Wirtschaft dadurch herstellen, dass wir einfach neue Dienstleistungen oder auch neue sogenannte grüne Technologien (…) in Gang setzen, dann übersehen wir, dass das zusätzliche Geld, das damit verdient wird, wiederum zusätzliche Nachfrage generiert, nämlich nach Gütern und Dienstleistungen jeglicher Art, deren Produktion oder Bereitsstellung niemals zum ökologischen Nulltarif zu haben ist. Deshalb sind entkommerzialisierte Formen der neuen Versorgung natürlich unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung oder (…) einer sogenannten Postwachstumsökonomie natürlich klar im Vorteil.“

Das finde ich eine ziemlich rigorose, interessante Haltung: Wenn Anbieter oder Nutzer von Plattformen zum Teilen, Tauschen, Leihen, Verschenken usw. Geld verdienen, dann wird dieses Geld wieder für neuen Konsum eingesetzt und das läuft der Postwachstums-Idee entgegen.

Auf der anderen Seite könnte man auch entgegnen, dass gerade die Möglichkeit, Geld zu verdienen, die Leute möglicherweise motiviert, Sachen zu teilen oder weiterzugeben. Und kommt es beim Geldausgeben nicht auch darauf an, wofür man wieviel ausgibt? Aus Paechs Antwort ergeben sich jedenfalls spannende Fragen zum Weiterdenken.

Die Politik der Kabel

Kuba dockt mit Venezuelas Hilfe ans schnelle Netz

Die Karibikinsel Kuba war bisher nur über langsamen und teuren Satellit mit dem Netz verbunden. Nun soll ein neues Glasfaserkabel in Betrieb gehen. Haben die Bewohner der Insel damit bald Zugang ins freie Web? Beobachter fürchten eher, dass das Gegenteil passiert und Kuba mit dem neuen Kabel an eine noch ausgefeiltere Zensurstruktur angeschlossen wird. Venezuela stellt den Anschluss mit Unterstützung aus China bereit – beides Länder, in denen es laut der Organisation Freedom House an Internet-Freiheit mangelt. Entsteht auf Ebene des submarinen Kabel etwa eine Art sozialistisches Subnetz? Nein, meint Ewan Sutherland, Experte für Telekommunikations-Strategie, mit dem wir bei Breitband über das globale Kabel-Biz sprechen und der erklärt: Zensieren kann und muss man da, wo das Kabel aus dem Wasser kommt. >> Zum Breitband-Topic >> Mp3 hören

Die stärkste Währung der Welt – Baruch Gottlieb und Mansour Ciss

Das Laboratoire Deberlinisation hat sich aufgemacht, Afrika zu entberlinisieren. Mit der imaginären panafrikanischen Währung „Afro“ wollen die Künstler des Laboratoire auf die Wirkungen der in Berlin 1884/5 entschiedenen Teilung Afrikas aufmerksam machen.

Der Wert ihrer Währung sei hoch, sagt Baruch Gottlieb, in Berlin lebender Kanadier, der mit dem Senegalesen Mansour Ciss das Laboratoire betreibt: „Der Afro ist die stärkste Währung der Welt“. Weil man so eine schwere Währung nicht ständig in der Tasche spazieren führen will, gibt es die Afro Express Card. Die lässt sich bequem übers Netz beantragen. Noch wird die Währung außerhalb des Laboratoires selten akzeptiert. Aber vielleicht trägt sie dazu bei, worauf Baruch Gottlieb und Mansour Ciss fest hoffen: Dass es Afrika eines Tages besser geht.