Fehler im System: Lukas Hartmann über 23andme

Wer kontrolliert heute eigentlich noch wen: Der Mensch die Maschine oder die Maschine den Menschen? Dass es ein Wechselspiel werden könnte, legt der Fall von Lukas Hartmann nahe – ein neugieriger Entwickler, der wissen wollte, was in seiner DNA geschrieben steht. Der Analysedienst, bei dem er sich anmeldete, stellte die Anlage auf eine potenziell tödliche Krankheit fest – bis der Programmierer sich selbst “heilte”. Dank offener Daten kam er auf die Spur des Fehlers im Algorithmus.

 

Für Deutschlandradio Kultur Breitband

Bild: DNA Origami by Alex Bateman on Flickr, CC-BY

Auf Zahnbürsten zum Mond

Zahlenspiel (spekulativ)

Bevölkerung von 51 europäischen Staaten im Jahr 2010: 812 Millionen

Anzahl der Zahnbürsten, die eine Person pro Jahr verbraucht: 2 bis 4 – ich sag mal 3

Anzahl der Zahnbürsten, die dann pro Jahr in Europa verbraucht würden: 2,436 Milliarden

Länge einer durchschnittlichen Zahnbürste: 15 Zentimeter, schätze ich

Materialien in Zahnbürsten/Verpackung: Metall, Kunststoff (Nylon, PVC, PP, TPE, PP, PVC)

Entfernung zum Mond, wenn er der Erde am nächsten ist: 363 300 Kilometer

Kette aller geschätzt pro Jahr in Europa verbrauchten Zahnbürsten: 365 400 Kilometer
 

Nichts Amtliches, nur grob von mir geschätzt.

 

Foto: Flotsam and Jetsam, Australien 2003, krossbow/F.Delventhal, CC-BY

Ich saß im Baum und wollte fliegen

„Meine Strichmännchen mit vier Jahren sahen mehr aus wie Vögel als Menschen, und das ist seitdem nicht besser geworden.“ So erinnert sich Lars Jonsson an den Beginn seiner Leidenschaft für die Vogelmalerei. Heute kommt kein Ornithologe Europas an dem schwedischen Künstler vorbei, der mit fünfzehn Jahren seine erste Ausstellung im Museum für Naturgeschichte in Stockholm hatte.

Auf Reise hat Jonsson Hunderte von Vögeln beobachtet, gezeichnet und ihre Eigenheiten in Federkleid, Flug und Ausdruck herausgearbeitet. Seine ausdrucksstarken Bilder dienen vielen Vogelfans zur Bestimmung, Naturführer wie „Die Vögel Europas“ gehören zu den Standardwerken.

Von der seltenen Schneeeule bis zum winzigen Wintergoldhähnchen: Es gibt kaum einen Vogel, den Jonsson nicht portraitiert hat. Doch der 1952 geborene Schwede ist auf dem Boden geblieben. Auf der Insel Gotland lebt er ein beschauliches Leben mit seiner Familie und dem Hund, kocht wochenends für die Gäste in seinem Museum und wird nicht müde, die Bewohner der Lüfte auf Papier einzufangen.

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Euch vermeiden, mich verlieren

Die Stadt der Zukunft ist vernetzt. Sie verbindet Menschen effizient mit Dingen, mit Orten und anderen Menschen. Doch es geht auch anders, als es die Smart-City-Logik will.

Statt besonders effektiv von A nach B zu fahren, kann man sich in der Stadt wunderbar verlieren und aus dem Weg gehen. Und auch dafür gibt es eine App: Mit “Hell is other people”, frei nach Sartres „die Hölle, das sind die anderen“, sieht man auf einer Karte, wo man seine (Foursquare-)Freunde bestmöglichst vermeiden kann. “Drift” will dem Flaneur helfen, sich in seiner gewohnten Umgebung zu verlaufen.

Ich habe die Apps ausprobiert, dabei allerlei Dadaistisches erlebt und mit Moritz von Rappard, der sich bestens in der Kunst des Flanierens auskennt, darüber gesprochen, wie subversiv solche Apps eigentlich wirklich sind – und was noch viel, viel subversiver wäre – die „analoge Senke“.

Vor der Reportage bei Breitband gibt es Ausschnitte aus Marina Schweizers Interview mit dem Erfinder von „Hell is Other People“ zu hören:

Callum Roberts über uns und das Meer

In „Der Mensch und das Meer“ erzählt der Meeresbiologe Callum Roberts von den großen Umwälzungen, die wir Menschen dem Meer gebracht haben. Von den persönlichen Beobachtungen, die der Wissenschaftler in Korallenriffen in aller Welt macht, über den historischen Abriss von viereinhalb Milliarden Jahren Erdgeschichte Callum Roberts über uns und das Meer weiterlesen

Eins mit der Technik?

Die einen gruseln sich davor, andere können es kaum erwarten: Computer, die wie Kleidung sind – etwa die „Google-Brille“, die das Netz direkt vor unser Auge bringt. Ist das der notwendige nächste Schritt nach dem Smartphone? Wie weit wollen wir mit unserer Technik verschmelzen?

Breitband-Talk mit Gesche Joost, Karsten Weber und Philip Banse. Redaktion: Anja Krieger.

 

Bild: Notrufstrickjacke „Knit Alarm“ aus dem Design Research Lab.

Mey Lean Kronemann über Hacken und Monogamie

Im Projekt der Berliner Künstlerin Mey Lean Kronemann geht es um Beziehungen: Beim Lovepicking öffnet sie die Liebesschlösser, die Paare zum Zeichen ihrer Verbundenheit an Brücken hängen, rekombiniert sie und setzt sie wieder zusammen. Das Lockpicking, das zerstörungsfreie Öffnen von Schlössern, hat in Hackerkreisen lange Tradition. Mey Lean Kronemann über Hacken und Monogamie weiterlesen

Matthias Bauer über Nerd-Gesundheit

Lange Nachtschichten vorm Bildschirm, wachgehalten von Kaffee und Koffein, schlechte Ernährung, wenig Schlaf: Für viele Hacker und Computer-Nerds ist der Körper ein System, das sie gern vernachlässigen, oder auch Matthias Bauer über Nerd-Gesundheit weiterlesen

Daniela Silva über den Hackerbus

Wenn in einer brasilianischen Kleinstadt ein Reisebus anhält und statt Stadtführung ein politischer Workshop dabei heraus kommt, stehen die Chancen nicht schlecht, Daniela Silva zu treffen. Mit dem Hacker Bus aus São Paulo bringt die junge Frau die Kultur der Hacker und Selbermacher in den Rest des Landes Daniela Silva über den Hackerbus weiterlesen

Schadstoff Kunststoff?

Abfall aus Kunststoff richtet in den Weltmeeren große Schäden an. Auf der ersten europäischen Konferenz zur Eindämmung und Vermeidung von Meeresmüll in Berlin diskutieren Experten aus Forschung, Politik, Umweltschutz und Industrie, was zu tun ist Schadstoff Kunststoff? weiterlesen

Deins oder meins? Egal!

Es gibt einen Trend vom Besitzen zum Nutzen, meinen die Organisatoren der CeBIT, die vom 5. bis 9. März in Hannover stattfand. Die IT-Messe hat in diesem Jahr die sogenannte „Shareconomy“ zum Leitthema erklärt, die Ökonomie des Teilens. Dabei geht es nicht nur um das Teilen von Wissen, sondern auch um Gebrauchsgüter. Carsharing, Bookcrossing oder Kleidertausch-Partys schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch Ressourcen und die Umwelt. Vor allem Internet und Smartphones helfen, neue Ideen und Geschäftsmodelle zu verwirklichen. Welche Vorteile hat das Teilen – und wo sind die Grenzen?

Zum Wochenthema bei Umwelt im Unterricht gibt es Materialien zum Thema.
Ich habe den Hintergrundtext geschrieben: „Vom Haben zum Teilen

Bild: Relaxation auf dem OuiShare Summit #2 von dtzortzis42 on Flickr, CC-by-SA

Octocat im Orcabot

Bram de Vries gibt im Betahaus Workshops zu 3D-Druckern. Am Freitag bin ich vorbeigegangen.

Bram zeigte uns, wie man mit dem schwarz-weißen Drucker „Orcabot“ die kleine Figur einer Octocat ausdrucken kann. Die Datei für das Modell hat jemand auf Thingiverse hochgeladen. Wenn man das ausdruckt, klingt der Drucker etwa so, wie es Axel Ganz für die Jahrgangsgeräusche aufgezeichnet hat.

Was uns Bram über das 3D-Drucken erzählt hat: Dass auch mal Algen und Schokolade in die Patrone kommen, man damit winzigkleine Nano-Modelle drucken kann, und Organe und sogar Fleisch mit 3D-Druckern hergestellt werden soll.

Einige Leute sagen, dass 3D-Drucker alles umkrempeln werden und wir bald jeder einen zuhause stehen haben. Aber dasselbe dachte man auch schon mal von der Mikrowelle, meinte Bram – und heute kochen wir immer noch auf dem Herd und im Backofen. Also mal sehen.

Noch einen Workshop gibt es nächste Woche, am 24., hinten im Betahaus, wo die offene Werkstatt Open Design City gerade umgebaut wird. Und demnächst können Leute, die 800€ investieren wollen, einen ganzen 3D-Drucker mit Bram bauen.

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Link zum Beitrag bei Deutschlandradio Kultur

Antrag auf Freiflug zum nächstliegenden Baum

Neulich rief die Kekstesterin an und hatte keine Kekse im Kopf, sondern die Lange Nacht der Illustration, die an diesem Abend in Berlin stattfand. Also zogen wir los, wanderten von Ort zu Ort und besuchten Buchhandlungen, Kunstläden und Ateliers.

In der schwankenden Weltkugel blieben wir hängen. Dort stellte die Illustratorin Ana Janeva ihr Buch „Gagala“ vor, ein Buch, das in keinen Bücherschrank passt und in keinem Verlag verlegt ist. „Und das bleibt in Zukunft auch so.“ Das Buch im Großformat wird nur in einer kleinen, per Hand im Bethanienhaus gefertigten Auflage hergestellt.

Ana Janeva wurde 1979 in Sofia in Bulgarien geboren. In „Gagala“, ihrer Diplomarbeit, erzählt die Zeichnerin von Befreiung, Migration, Neuanfang, und davon wie die, die vor unerträglichen Zwängen geflüchtet sind, selbst wieder neue aufbauen. Eine Fabel auf das Ausländerrecht.

Im Land Schrottingen leben die Tiere im Elend, eingesperrt von einem hohen Zaun. Als sie zu verhungern drohen, fassen sie einen Entschluss: „Rohe Gewalt hat immer gesiegt.“ – „Genau, schlagen wir uns um die Freiheit“. Und tatsächlich, die Tiere schaffen es sich zu befreien und machen sich auf, in Richtung des Waldes.

Dort, in Plata Morgana, lassen sie sich nieder. Damit das neue Land der Tiere vor den Menschen geschützt ist, werden Gasttiere gesucht, die einen Freiheitszaun erbauen.

Schon bald wird es im Wald zu eng. Die Tiere beschließen, ihn zu entgastifizieren. Regeln soll das die Paraglyphenordnung, die „der Ausgrenzung, Eingrenzung und Begrenzung von Auswäldlern dient“.

§8 STAND BY (1) Der Titel „Stand By“ erlaubt dem Auswäldler einer lohnfreien Tätigkeit im Streichelzoo nachzugehen. Diese Erlaubnis tritt jedoch nicht in Kraft, wenn ein Inwäldler für die gleiche Tätigkeit infrage kommt.

Allein für den Freiflug zum nächstliegenden Baum bedarf es nun eines formellen Antrags. Einreisende Antragssteller werden bis zur sogenannten „freien Entscheidung“ im Streichelzoo untergebracht, der Argwohn gegenüber Scheinehen zwischen In- und Auswäldlern wächst und die Zaunfabrik produziert immer neue Produkte gegen mögliche Bedrohungen: Zäune für den inneren Frieden, gegen lange Finger, spitze Zungen und zum Schutz vor Überraschungen.

Eines Tages eskaliert der Konflikt. Der Zaun brennt.

Ana Janevas Zeichnungen sind merkwürdig und schön, voller schwarzweißer Amöbenwesen, die sich auf den riesigen Seiten fast verlieren. Detailreich und mit großartigem Witz legt die Autorin die Absurdität von Bürokratie und Ausgrenzung frei.

Mehr von den Zeichnungen gibt es auf Ana Janevas Webseite zu sehen.

Bilder:
Szenen aus „Gagala“, mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Das Buch erscheint in nummerierter Kleinauflage und kann bei Ana Janeva bestellt werden. Preis: 78 Euro + Versand. Einzelne Motive sind als signierte Siebdrucke erhältlich.