Szene aus Ana Janevas "Gagala"

Antrag auf Freiflug zum nächstliegenden Baum

Neulich rief die Kekstesterin an und hatte keine Kekse im Kopf, sondern die Lange Nacht der Illustration, die an diesem Abend in Berlin stattfand. Also zogen wir los, wanderten von Ort zu Ort und besuchten Buchhandlungen, Kunstläden und Ateliers.

In der schwankenden Weltkugel blieben wir hängen. Dort stellte die Illustratorin Ana Janeva ihr Buch „Gagala“ vor, ein Buch, das in keinen Bücherschrank passt und in keinem Verlag verlegt ist. „Und das bleibt in Zukunft auch so.“ Das Buch im Großformat wird nur in einer kleinen, per Hand im Bethanienhaus gefertigten Auflage hergestellt.

Ana Janeva wurde 1979 in Sofia in Bulgarien geboren. In „Gagala“, ihrer Diplomarbeit, erzählt die Zeichnerin von Befreiung, Migration, Neuanfang, und davon wie die, die vor unerträglichen Zwängen geflüchtet sind, selbst wieder neue aufbauen. Eine Fabel auf das Ausländerrecht.

Im Land Schrottingen leben die Tiere im Elend, eingesperrt von einem hohen Zaun. Als sie zu verhungern drohen, fassen sie einen Entschluss: „Rohe Gewalt hat immer gesiegt.“ – „Genau, schlagen wir uns um die Freiheit“. Und tatsächlich, die Tiere schaffen es sich zu befreien und machen sich auf, in Richtung des Waldes.

Dort, in Plata Morgana, lassen sie sich nieder. Damit das neue Land der Tiere vor den Menschen geschützt ist, werden Gasttiere gesucht, die einen Freiheitszaun erbauen.

Schon bald wird es im Wald zu eng. Die Tiere beschließen, ihn zu entgastifizieren. Regeln soll das die Paraglyphenordnung, die „der Ausgrenzung, Eingrenzung und Begrenzung von Auswäldlern dient“.

§8 STAND BY (1) Der Titel „Stand By“ erlaubt dem Auswäldler einer lohnfreien Tätigkeit im Streichelzoo nachzugehen. Diese Erlaubnis tritt jedoch nicht in Kraft, wenn ein Inwäldler für die gleiche Tätigkeit infrage kommt.

Allein für den Freiflug zum nächstliegenden Baum bedarf es nun eines formellen Antrags. Einreisende Antragssteller werden bis zur sogenannten „freien Entscheidung“ im Streichelzoo untergebracht, der Argwohn gegenüber Scheinehen zwischen In- und Auswäldlern wächst und die Zaunfabrik produziert immer neue Produkte gegen mögliche Bedrohungen: Zäune für den inneren Frieden, gegen lange Finger, spitze Zungen und zum Schutz vor Überraschungen.

Eines Tages eskaliert der Konflikt. Der Zaun brennt.

Ana Janevas Zeichnungen sind merkwürdig und schön, voller schwarzweißer Amöbenwesen, die sich auf den riesigen Seiten fast verlieren. Detailreich und mit großartigem Witz legt die Autorin die Absurdität von Bürokratie und Ausgrenzung frei.

Mehr von den Zeichnungen gibt es auf Ana Janevas Webseite zu sehen.

Bilder:
Szenen aus „Gagala“, mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Das Buch erscheint in nummerierter Kleinauflage und kann bei Ana Janeva bestellt werden. Preis: 78 Euro + Versand. Einzelne Motive sind als signierte Siebdrucke erhältlich.

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