Szene-Demos

Bisher habe ich ja nie verstanden, worum es dabei geht. Irgendwas mit Protestieren und Steine werfen? Natürlich ist mit der „Demoszene“ was ganz anderes gemeint, es geht um Programme, die audiovisuelle Kompositionen in Echtzeit produzieren. Gestern hab ich einige der Leute, die solche Demos machen, zufällig auf einer Party getroffen, und als sie merkten, dass Interesse da ist, haben sie mir gleich ihre ganzen Lieblingsdemos vorgeführt.

Am beeindruckendsten war dieses erste Video. Eigentlich sieht es aus wie eine ganz normale 3D-Animation, aber der Punkt ist: Das Ding dahinter ist nämlich eigentlich kein Video, sondern die Landschaft und Sound werden live über Algorithmen generiert. Das kann man sich vorstellen wie den Unterschied zwischen den Noten für ein Stück, das ein Orchester spielen soll, und der fertigen Aufnahme eines Orchesters, das diese Noten dann schon interpretiert hat.

Und der ganze Programm-Code, inklusive aller Musik und Bilder, passt auf 4kb – ein Platz, wie mir die Demoleute erklärten, den normalerweise so etwa der kleine Fitzel in der rechten oberen Ecke einer Webseite einnimmt. Ziemlich abgefahren.

Die Demoleute setzen sich also selbst Beschränkungen, ihre Programm-Kompositionen in möglichst wenig Platz zu packen. Wie beim Sport gibt es dann verschiedene Disziplinen, für die man programmiert, das können Größenbeschränkungen oder auch bestimmte Hardware sein – und zwar gern nicht die neuen, sondern gerade alte Maschinen.

Bei den alten Computern besteht die Herausforderung nicht nur im geringeren Speicherplatz, sondern auch darin, über das hinauszugehen, was bisher mit dem Gerät für möglich gehalten wurde. Und weil manche Computer so alt und selten sind, kann es dann sein, dass bei einer Demonstration nur drei Leute im Publikum wirklich verstehen, was da jemand geleistet hat, haben die Demoleute erzählt.

Die eigene Ästhetik der Kompositionen spielt aber auch eine wichtige Rolle, nicht nur die Ausdehnen des Machbaren.

Am allerinteressantesten ist die Herkunft dieser ganzen Szene. Sie ist aus der Cracker-Szene hervorgegangen, aus Leuten, die den Kopierschutz von Spielen geknackt haben und dann, so ein bisschen wie in der Sprayer-Szene, ihren Stempel und Namen auf dem Spiel hinterlassen haben. Und weil man wenig Platz hatte auf Disketten und ähnlichem, musste man dann mit ganz wenig Platz möglichst beeindruckende Sachen machen.

Da ist also auch ein gutes Stück Hip-hop-mäßige Angeberkultur dabei, wo man seine Crew oder andere Gruppen grüßt. Am Ende führte das dazu, dass manche Leute nur noch diese immer schicker werdenden Cracker-Stempel angucken wollten und das geknackte Spiel, das dran hing, zweitrangig wurde. Irgendwann fanden dann einige, dass man die Spiele gar nicht mehr braucht, und koppelten die Demos ab.

Die Platzbeschränkung ist jetzt eine künstliche Vorgabe, aus der unglaubliche Sachen entstehen, die mit extrem effizientem Programmcode auskommen müssen. Am anderen Ende der Disziplinen-Skala gibt es dann aber auch die ganz ohne technische Beschränkungen, wo die Grenzen des derzeit in Echtzeit machbaren ausgeweitet werden.

(Auch dazu gab es ein cooles Video und auch das kommt hier dazu, wenn ich es finde)

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