Sabotage am Balkon

Halb sieben, da sind die Menschen noch nicht wach, dachte der Buntspecht, als er sich am Dübelloch der kleinen Wildbiene zu schaffen machte.

Zur selben Zeit war ich aufgewacht – als hätte ich es geahnt, unverhoffte Wildbienen-Hotelinhaberin, die ich gerade geworden war – und zum Fenster geschlurft. Der Buntspecht schaute ertappt auf vom Loch, das er gerade ausräumte. Und flatterte fort.

Zu spät. Die Löcher in der Hauswand waren leer. Stunden hatte die Wildbiene damit verbracht, die Dübellöcher sauberzumachen, ihre Bienenkinder hineinzusetzen, ihnen einen guten Pollenvorrat zu hinterlassen und die Höhle mit Lehm zuzuspachteln. Was für eine Arbeit. Und nun war alles für den Specht.

Ich sagte: Der Specht ist schön, aber auch böse. „Das wären ja dann alle Tiere, die keine Vegetarier sind“, entgegnete mein Freund.

Vermutlich geht es schon lange so: Die Wildbiene sucht die Dübellöcher, und dann wartet der Specht ein paar Tage, dass es sich auch lohnt, und räumt sie aus. Ein ewiges, unbarmherziges Specht-und-Biene-Spiel.

Gut, dass ich den feinen Vogel wenigstens erwischt hab. Sonst hätte ich mich noch ewig gefragt, was passiert ist, wieso die Dübellöcher plötzlich leer sind.

Ein kleines bisschen traurig bin ich schon. Auch, wenn der Specht sehr schön ist.

5 Antworten auf „Sabotage am Balkon“

  1. solche typen kennt man: dübellochgewinnler -mit s- klasse und rolex am handgelenk. ein specht mit moral und anstand hackt doch wohl seine löcher selbst. in den baum. im wald.

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